Stress beim Pferd

Stress erkennen: 37%- 70 % der Freizeitpferde haben Magengeschwüre

Freilauf einer sich gut kennenden Jungpferdegruppe, Shettys und Welshpony
soziale Interaktionen sich gut kennender Jungpferde - jeder weiß genau, wie weit er Abstand halten muss

Vieles, das wir von unseren Pferden erwarten, müssen Pferde erst einmal lernen. Das beginnt mit dem tagtäglichen Umgang, geht über Fütterung und Management der Fütterung weiter, über den täglichen Umgang (und auch da hat jeder Mensch seine eigenen Eigenarten, an die das Pferd sich gewöhnen muss, und seine eigenen Launen). Ebenso sind die unterschiedlichen Haltungsformen, die für Pferde inzwischen angeboten werden - so unterschiedlich, dass sie jedesmal ein Umlernen bedeuten. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass es für ein Pferd bereits Stress bedeutet, wenn es nur innerhalb seiner Stallgasse umzieht, oder einen neuen Nachbarn bekommt …

Pferdehaltung und Stress

Bei einer Untersuchung in Deutschland hatten erschreckende 73 % der Pferde Magengeschwüre (Equine Gastric Ulcer Syndrome, EGUS) - und darunter auch Gnadenbrot-Pferde, Pferde im Offenstall und Pferde mit Weidegang. Weil es rund 48 Stunden dauert, bis solche Entzündungen der Magenschleimhaut entstehen, weiß man, dass sie bereits vor der Kolik vorhanden waren.

In der Literatur findet man Zahlen von mehr als 50 % der Pferde bis über 90 % (Vollblüter im Renntraining), bei denen Magengeschwüre nachgewiesen wurden. Aber es sind eben auch Freizeitpferde, die unter Magengeschwüren leiden.

Über manche alltägliche Schwierigkeit, die ein Pferd haben könnte, denkt man gar nicht nach.

Pferde erleben Stress - alltäglich

Beispiel Urlaub: Es sind doch nur ein paar Tage …

Jede Veränderung bedeutet für ein Pferd etwas "Unheimliches". Der bekannte Mensch fehlt. Er kommt nicht zur gewohnten Zeit, ein anderer versorgt die Tiere … nach seiner eigenen Art. Das Futter kommt früher oder es dauert länger, bis serviert wird.

Stress für Pferde im Training:

  • Im Training bringt jede neue Trainer oder Reiter einen anderen Weg und verändert die - für das Pferd gewohnten - Abläufe. Abläufe, auf die das Pferd gewohnt war zu reagieren (oder eben gewohnt war, nicht zu reagieren …). Auch das ist eine Veränderung, an die ein Pferd sich erst einmal gewöhnen muss.
  • jede neue Reitbeteiligung oder jeder Beritt bedeutet für das Pferd erst einmal anders gegebene Hilfen, die es "Entziffern" muss: was meint der Mensch im Sattel denn jetzt damit, wenn das Bein weniger hoch geht als sonst? Galopp? seitwärts? schneller?

Stress für Pferde in der Haltung:

Auch die Haltung unserer Pferde (so gut sie auch sein mag!) bringt immer mal wieder unterschiedliche Stressfaktoren mit sich. Pferde sind erstaunlich anpassungsfähig, und sie sind erstaunlich gutmütig.

  • Sie werden neben Nachbarn gestellt, weil es gerade so am besten passt (oder weil auch wer auch immer sich das so gedacht hat). Oft kommen Pferde sich gezwungenermaßen weit näher, als ihre Indiviualdistanz erlaubt - und wer dem anderen buchstäblich "zu dicht auf die Pelle rückt," wirkt aggressiv und wird bedroht: Stress!
  • auch (unvermeidliche) Wechsel, Umzüge, selbst neu geplante Abläufe bedeuten für das Pferd erst einmal eine Veränderung - und jeder, wer einmal erlebt hat, wie ein Pferd in einem neu bepflanzten Blumenkübel die kleinen grünen Pferdefresser entdeckt hat, weiß, dass Pferde Veränderungen überhaupt nicht schätzen.
  • Pferde sind Bewegungstiere. Ihre Bewegungsmöglichkeiten aber werden ihnen regelemtiert tagtäglich vorgegeben.

Stress für Pferde bei der Fütterung:

Häufigkeit und Menge einer Kraftfuttergabe sind immer noch in vielen Fällen ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl einer Unterkunft für das Pferd.

  • Zur Befriedigung ihres Kaubedürfnisses brauchen Pferde mindestens 1,5 kg Trockensubstanz Raufutter /100kg Lebendmasse - mindestens; nach Ansicht der FN. Das sind sind eher 1,7 kg Heu. So sollte ein 600 kg Warmblut-Reitpferd mindestens 10,2 kg Heu täglich bekommen dürfen.
  • Die Fresspausen sollten nicht länger als vier Stunden sein. Sonst können Magengeschwüre entstehen - und die bedeuten Schmerzen und wieder weiteren Stress.

Stress für Pferde beim Weidegang

  • Jetzt in der beginnenden Weidezeit werden Pferde nicht selten in Gruppen "zusammengesteckt", die sich nicht vertragen. Dass sie ihre Rangordnung dann erstmal auch mit Zähnen und Hufen klären müssen, führt nicht selten zu Verletzungen. Immer aber bedeutet es Stress.

Das heißt nicht, dass Pferde von nun an nur noch in Watte eingepackt werden sollten. Im Gegenteil, ein gesundes Maß an Veränderungen der Umwelt ist gut und ermöglicht dem Pferd, die Anpassungsfähigkeit zu trainieren. Zuviel Veränderungen aber bedeuten Stress. Und Stress schwächt das Immunsystem. Stress macht ein Pferd anfällig für Krankheiten. Deshalb sind die Erholungspausen auch für ein Pferd wichtig.

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