Zecken-Gipfel

von Ulrike Eckert

Holzbock, Auwaldzecke und Hundezecke

Zecken

Zecken sind für Hunde lästig und unangenehm, aber gefährlich werden sie durch die Krankheiten, die sie übertragen. Die Mittel, die zur Abwehr verwendet werden, sind ebenfalls nicht gesund - alles, das ein anderes Tier töten soll, und vor allem ein so widerstandsfähiges wie eine Zecke, ist schon ziemlich giftig.

Die Beipackzettel von Frontline ®, Exspot®, Scalibor ®, Stronghold® und wie sie alle heißen, warnen deutlich vor Hautkontakt beim Auftragen - und der Hund bekommt die gesamte Ladung direkt auf die Haut aufgebracht? Und die Katze darf Exspot® z.B. gar nicht bekommen?

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen.

Gibt es eine Lösung, die nicht so giftig ist?

Es gibt Hunde, die ziehen Zecken wie magisch an. Andere Hunde bringen kaum Zecken aus dem Wald mit. Rüden haben im Durchschnitt mehr Zecken als Hündinnen. Wenn der älter gewordene Hund den Weg nicht mehr verlässt, hat er weniger Zecken als meine stöbernden Vorsteh-Hunde, die ich immer mühsam auf dem Weg halten muss. Im Stadtwald ist die Gefahr, auf Zecken zu stoßen, ziemlich gering. Am Wochenende ein Wandern sieht das wieder anders aus.

Es heißt auch, dass "gebarfte" Hunde weniger Zecken haben. Und es heißt, dass kranke Hunde mehr Insektenstiche erleiden als andere, deren Stoffwechsel weniger belastet ist. 

Ein Sonderfall sind Hunde mit MDR1-Defekt. Sie haben nur eine eingeschränkt funktionierende Blut-Hirn-Schranke. Bei ihnen muss man mit jedem Medikament vorsichtig sein - auch mit den Mitteln gegen Zecken. Der MDR1-Defekt kommt bei britischen Hütehund-Rassen vor- und bei Mischlingen von Hütehunden. (In den letzten 200 Jahren mag sich da mehr vermischt haben als mancher so denkt - so wurde dieser Gen-Defekt in Amerika auch bei etwa 10% der Deutschen Schäferhunde nachgewiesen. Wer es ganz genau wissen will, der MDR1-Defekt hier zum Nachlesen)

Und konkret? Was hilft gegen Zecken?

Um einen Hund vor Zecken zu schützen, sollte das Mittel das "Andocken" der Zecke verhindern. Hier kommen die geruchsverändernden Mittel ins Spiel, durch die der Hund weniger nach Hund riecht, und die chemischen Mittel mit "Knock-Down-Effekt", die Repellentien.

Leider muss man sagen: einen hundertprozentigen Schutz gegen Zecken gibt es nicht, auch nicht bei den neuesten Präparaten der Arzneimitttelhersteller.

  • Zecken bilden Resistenzen aus.
  • Die Konzentration mag am Ende des Turnus zu gering geworden sein.

Welches Mittel gegen Zecken verwendet wird, ist eine individuelle Abwägung von Kosten und Nutzen - hier: wie giftig darf es sein?

Es gilt hier ganz eindeutig: es muss passen. Zum Hund und zu seiner Umwelt. Spot-Ons und Halsbänder sind Gewässergifte, für einen Hund, der gerne Baden geht, sollten sie verboten sein. Oder der Hund darf nicht mehr baden.

  • Absuchen funktioniert bei kurzhaarigen und glatthaarigen Hunden recht gut. Eventuell hilft ein Flohkamm, die Jugendstadien der Zecken zu finden.
  • Zecken orientieren sich über den Geruch. So verringert alles, das den Geruch des Hundes oder der Katze ändert, auch die Gefahr, von Zecken als "fressbar" erkannt werden. So verringern Ätherische Öle, Kokosöl und auch Schwarzkümmelöl die Zahl der Zecken, die einen Hund oder eine Katze "finden"- zumindest bei meinen Beiden, aber auch in Zeckengebieten wie der Eifel oder im Westerwald-Wald.
  • Auch Bernsteinketten wirken laut Beschreibung, indem sie den Geruch verändern.
  • Knoblauch in vernünftiger Dosierung verringert den Befall mit Zecken ebenfalls erfahrungsgemäß. (Vernünftige Dosierung heißt nicht übertreiben: die Tagesdosis legt bei ca 4 gr/mittelgroßem Hund. Bei 5 gr Knoblauch pro kg Körpergewicht des Hundes wirkt Knoblauch giftig - das entspricht aber auch 125 gr Knoblauch für einen Hund mit 25 kg, etwa einem zierlichen Labrador oder Malinois, und 125 gr Knoblauch dürften mehr als drei Knollen (!) sein)
  • Zistrose gilt als Waffe gegen Zecken. 
  • (Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit … es gibt noch mehr Möglichkeiten, wie z.B. den TicClip, der bei der Hälfte meiner Kunden funktioniert und bei der anderen Hälfte gar nicht, Nosoden gegen Zecken, …)

Andererseits:

  • bei langhaarigen oder auch drahthaarigen Hunden funktioniert Absuchen gegen Zecken nicht - man findet sie nicht. Bei dem Colli auf dem Foto ist Absuchen und Kämmen gegen Zecken ein völlig aussichtsloses Vergnügen. Ein Fall für die Chemiekeule, wenn die sanfteren Methoden nicht ausreichen.
  • Ätherische Öle können für Hunde ein Qual sein - Hunde haben nun einfach einen so viel besseren Geruchssinn als wir Menschen. Den intensiven Geruch mit sich herumtragen zu müssen, ohne entfliehen zu können, kann für einen empfindlichen Hund deutlich Stress bedeuten.
  • Anaplasmen werden bereits mit dem Speichel übertragen, hier hilft nur ein abweisend wirkendes Mittel wie z.B. Exspot®. Das aber verträgt nicht jeder Hund …
  • Vorsicht bei Hunden mit MDR1-Defekt: ihre Blut-Hirn-Schranke funktioniert nur eingeschränkt.

Fazit: Es gibt viele Weg, einen Hund vor Zecken zu schützen. Meiner Meinung nach kann jeder den Weg nehmen, der für den eigenen Hund am passendsten ist. Aber sie sollten den Hund schützen - vor Zecken ebenso wie vor unerwünschten Wirkungen. Das kann in manchen Fällen Scalibor® ein, in anderen Fällen ein einfacher Nahrungsmittelzusatz. Wie immer sollte auch dies, die Risikoabwägung, individuell erfolgen.

Zum Weiterlesen:

Dosierung von Knoblauch

inklusive der Kommentare ein erfreulich sachlicher Abriss

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