Magensäure - Probleme beim Hund

gestörte Magensäure-Bildung: Erbrechen ist oft das erste deutliche Anzeichen beim Hund

Der Hund kann morgens erbrechen. Er kann nüchtern erbrechen. Massenhaftes, gieriges Gras fressen ist häufig bei Problemen mit der Magensäure-Bildung beim Hund. Dazu kommt viel Speicheln. Nachts schmatzen diese Hunde oft. Sie lecken alles ab. Manche Hunde fressen die Fugen heraus, oder ihre Decken auf.

Magenprobleme - durch zuviel ebenso wie bei zu wenig Magensäure - sind häufig bei Hunden. Ich würde fast sagen, es ist eine der häufigsten Folgen einer individuell unpassenden Fütterung. Und oft leiden gerade die Hunde, die gebarft bzw. roh ernährt werden, darunter.

Probleme mit der Magensäure beim Hund

Magenprobleme meint hier: der Hund bildet zu viel Magensäure. Oder zu wenig. Im unkompliziertesten Fall ist das ein einmaliges oder zumindest sehr seltene Ereignis - noch kein Grund zu Sorge. Hunde erbrechen sehr, sehr leicht. Die Überkonzentration von (Magen-)Säure löst Erbrechen zuverlässig aus. Gleiches gilt für vergorene Nahrung. Das ist eine körperliche Schutz-Reaktion, die schon vielen Hunden das Leben gerettet hat.

Übersäuerung – zuviel Magensäure

Oft bleibt das Zuviel der Magensäure aber nicht einmalig.

Magensaft enthält Salzsäure. Salzsäure ist eine starke Säure. Salzsäure ist aggressiv genug, um die allermeisten Bakterien in der Nahrung abzutöten. Sie ist so aggressiv, weil sie für den Hunde-Körper Proteine aus der Nahrung anzugreifen und für die Verdauung "angreifbar" machen soll.

Proteine sind lange, oft kompliziert aufgebaute Gebilde und Ketten aus einzelnen Aminosäuren. Sie sind viel zugroß, um die gesunde Darmschleimhaut passieren zu können. Nur einzelne Aminosäuren kann ein Hund im Darm aufnehmen.

In der Leber und in den eigenen Zellen des Hundes werden die Aminosäuren wieder zu neuen Proteinen zusammengesetzt: hauptsächlich besteht ein Körper aus Proteinen. Und, zurück zum Magen, nur mit genügend Magensäure können die Verdauungsenzyme die Proteine in der Nahrung in kleine Einzelteile "zerschneiden".

Salzsäure aktiviert Pepsin, das wichtigste Enzym zu Eiweißverdauung. Es wird im Magen in einer inaktiven Vorform gebildet. Die aktive Form nimmt es erst ein, wenn es in das saure Milieu im Innern des Magens kommt. Enzyme wie Pepsin sind Bio-Katalysatoren.

Salzsäure und Enzyme sind wie brutal effiziente Scheren. Ihnen ist egal, was sie in biochemischen Reaktionen zerschneiden. Deshalb gibt es Schutzeinrichtungen für die Magenschleimhaut. Bei Magenproblemen aber versagt der Schutz.

Eine regelmäßige Übersäuerung hat üble Folgen für den Hund. Die Magensäure schädigt die Magenschleimhaut. Pepsin verdaut sie. So entsteht eine Gastritis. Die kann chronisch werden: immer tiefer entzündet sich das Gewebe. Das sind die Bedingungen, die ein Magengeschwür (Ulcus) "braucht".

Ein weiteres Problem, neben den Schmerzen, die der Hund durch ein Zuviel an Magensäure erleidet: jede chronische Entzündung kann zu einer Allergie führen.

Hunde zeigen es, wenn sie unter Magenproblemen leiden:

  • Grasfressen, manchmal auch von anderen Pflanzen und / oder Erde
  • Licky Fits, Leckanfälle mit panischen Fressen von Gras, Ablecken von Wand und Boden, (die gesteigerte, zwanghafte Form des Grasfressens bei Magenproblemen)
  • starker Geruch aus dem Maul (aber nicht über die Haut), dabei keine faulen Zähne
  • häufiges Erbrechen, gelb oder schaumig-weißlich (nicht mit Regurgitieren verwechseln)
  • Appetitlosigkeit oder wechselnder Appetit, vor allem morgens, der manchmal fälschlicherweise als “mäkeln” interpretiert wird
  • Der Hund frisst eher kleine Mengen. Größere Portionen werden nicht vertragen. Sie werden wieder erbrochen.
  • viel Trinken. Gerne wird besonders kaltes Wasser genommen. Nicht selten wird das dann wieder erbrochen
  • Unruhe / offensichtliches Unwohlsein nach der Fütterung

Hunde verstecken Schmerzen. Viele Hunde verstecken auch ihre Magen-Schmerzen. Und die Anzeichen für die Magenprobleme und die gestörte Magensäure-Bildung bei einem Hund können individuell sehr unterschiedlich sein. Manchmal ist das einzige Zeichen, dass mit dem Hund etwas nicht stimmt, ein glanzloses Fell und Müdigkeit oder "schlechte Laune".

Die Ursachen, oder: Wie Kommt es zu zuviel Magensäure?

chronische Magenbeschwerden

Beim Hund wird Magensäure gebildet, wenn Futter erkannt wird. Das beginnt bereits, wenn der Hund weiß: gleich gibt es etwas. Die Magensäure wird für die Spaltung der Proteine gebraucht - ohne sie funktioniert es nicht. Rezeptoren signalisieren: Magensäure wird jetzt benötigt. Für ein Raubtier ist das nützlich, den Magensaft dann zu bilden, wenn tatsächlich Beute gemacht wurde. Im Gegensatz dazu bilden Pferde die Magensäure nahezu gleichmäßig den ganzen Tag über.

Die Magensäure macht Proteine angreifbar für die Enzyme. Wenn Magensäure fehlt, schwächelt die Proteinverdauung. So ist auch das Protein im Futter der “Schlüsselreiz” für die Bildung von Magensaft: Protein und die (mangelnde) Konzentration an Salzsäure im Magensaft.

Gefressen wird pünktlich?!

Die Produktion von Magensäure muss beim Hund nicht an eine Fütterung gebunden sein.

Hunde lernen bestimmte Tageszeiten und Rituale mit Futter zu verbinden. Ein alter Versuch beweist, dass Hunde auf einen Glockenton konditioniert werden können. Der Laut genügt, damit der Hund speichelt und Magensäure bildet (Pawlov'scher Reflex). Ebenso kann (kann!) das "Ritual des Leberwurstbrotes" gelernt sein.

Menschen sind daran gewöhnt, jeden Tag zur selben Zeit zu essen. Das ist nicht für jeden Hund verträglich. Denn bereits im Vorfeld, bei noch leerem Magen, beginnt er Magensaft und Magensäure zu produzieren: es gibt ja bald etwas. Diese gelernte Muster betrifft nicht nur die Fütterungszeiten. Ein Ritual wäre auch, wenn es immer beim Heimkommen das Futter gibt.

Stress und Magenprobleme

Stress ist eng mit Magenproblemen verknüpft.

Wenn ein Hund einen Feind sieht, bereitet er sich auf einen Kampf vor oder auf die Flucht. Blut geht in die Muskulatur. Die Durchblutung der Lunge steigt. Der Stoffwechsel wird innerhalb weniger Augenblicke umgesteuert: Energie wird für die Muskeln freigegeben. Für die Verdauung ist keine Energie mehr übrig. Übrigens auch nur wenig Blut. Reguliert wird das durch das vegetative Nervensystem. Der Hund es nicht beeinflussen.

Wenn die Alarmbereitschaft nicht durch entsprechende Ruhephasen ausgeglichen wird, bleibt der Körper in Alarmbereitschaft. Auf Kampf-oder Stresssituationen ist der Hund jetzt gut vorbereitet. Für die Verdauung hat er wenig Energie übrig.

Auch die Muskulatur des Magens ist angespannt. Der Magen wird schneller entleert, auch durch Erbrechen. Stress schlägt so auf den Magen. Gleichzeitig stört Cortison als Stress-Hormon die Bereitstellung des Magenschutzes. Der Magen ist länger leer. Er wird weniger gut mit Blut versorgt und ernährt. Die Schutzeinrichtungen des Magens werden behindert, aber Magensäure wird weiter gebildet. So wird andauernder Stress einer der Hauptfaktoren für alle Arten von Magenproblemen.

weitere Ursachen

Gründe für anhaltende Magenprobleme gibt es viele weitere.

  • Allergien können zu Entzündungen im Magen-Darm-Trakt führen
  • Nierenerkrankungen verursachen Geschwüre auf der Schleimhaut - auch im Magen
  • IBD als Sonderform der Magen-Darm-Entzündungen beim Hund
  • Schmerzmittel, Nichtsteroidale Entzündungshemmer behindern die Schutzeinrichtungen des Magens (wie bei Stress, nur stärker). Sie hemmen die Prostaglandinsynthese. (Das sind Botenstoffe des Körpers, die bei einer Entzündung melden: Entzündung hier, Reparatur nötig. Meistens vermitteln sie auch Schmerzen, damit eine verletzte Stelle geschont wird. Im Magen bedeuten Prostaglandine aber: Schutz her, weniger Magensäure bilden)
  • Das gleiche gilt für Cortison, aber teils noch intensiver. Cortison ist ein sehr effektiver Entzündungshemmer.
  • bestimmte Bakterien können sogar in der sauren Umgebung des Magens überleben: Helicobakter und Gastrospirillum-Arten. Sie werden auch bei gesunden Hunden gefunden. Eindeutig aber können sie bei tiefen Entzündungen und Magengeschwüren die Heilung behindern.

Probleme mit Magensäure bei roh gefütterten Hunden

Roh ernährte Hunde erhalten meist sehr viel mehr proteinreiches Fleisch als Hunde, die gekochtes Futter oder Fertigfutter erhalten. Und rohes Fleisch kann mit Bakterien und Keime belastet sein. Hunden macht das meist nichts: ihr Magensaft ist so aggressiv, dass sie sogar die meisten Verderbniserreger neutralisieren. Dafür sorgt auch die Magensäure.

Eine Botulismusvergiftung beim Hund kommt weltweit fast nie vor. Menschen sind deutlich mehr gefährdet. Aber Menschen vergraben auch keine Knochen, wenn sie gerade keinen Hunger mehr haben, und holen sie erst nach Tagen wieder heraus.

Bei Hunden, die roh gefüttert werden, wird mehr Magensäure gebildet. Das ist eine Anpassung an ihre Nahrung. Wenn also ein gebarfter Hund ein Magenproblem bekommt, sind die Folgen schneller bemerkbar, weil die Säure konzentrierter ist.

Erbrechen von unverdauten Knochenstücken (von größeren Knochen meist/ oder sehr harten, getrockneten Knorpel) werden oft morgens wieder erbrochen. Diese Stücke sind dann zu groß, um in den Darm zu gelangen. Diese Reinigungskontraktionen sind ein Schutzmechanismus des Hundes und nicht gefährlich (Eher lästig, weil sie meist zwei Stunden vor dem Aufstehen stattfinden ;-))

Das morgendliche Erbrechen von gelblicher oder weißlich-schaumiger Flüssigkeit ist ein Anzeichen für eine zu hohe Konzentration von Magensäure.

ein junger Spitz nagt an einem Holzstück
Holzkauen als Angeberei: hier kann es leicht zuviel für den Magen werden. Das wird dann meist morgens wieder erbrochen.

Magensäurehemmer

Bei Magenproblemen werden gerne Magensäure-Hemmer eingesetzt. Bekannt sind sie auch als “Magenschutz”. Oft werden sie auch gleichzeitig mit Schmerzmitteln angewendet.

  • Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol (Gastroguard®) müssen nur einmal täglich gegeben werden. Sie zerstören die Proteine, die die Salzsäure im Körper sehr energieaufwendig bilden.
  • Histamin-Antagonisten wie Cimetidin, Ranitidin führen nach dem Absetzen zu einer hohe Rate von Geschwüren. Das liegt vermutlich daran, dass der Körper einen Sollwert für die Magensäure vorgibt, den die Magenzellen nicht liefern können: Cimetidin verhindert das. So wird die Anforderung immer weiter hochgeschraubt. Wird Cimetidin abgesetzt, schlägt die Anforderung voll durch: Magensäure wird sehr schnell übermässig gebildet - mit allen Problemen, die das machen kann. Cimetidin fördert auch die Bildung von Nitrosaminen im Magen. Das sind die Stoffe, die beim Grillen als "krebserregend" beschrieben werden.
  • Sucralfat bildet einen Schutzfilm über der Magenschleimhaut. So kann die Magensäure nicht die Schleimhaut erreichen.

Magensäurehemmer bringen einen Hund wieder schnell zum Fressen. Schwierig wird es bei langer Behandlung mit den Nebenwirkungen.

  • Erbrechen und Durchfall (eher harmlos, sollte von selbst vorübergehen)
  • bakterielle Überwucherung des Magens und Dünndarmes: schwierig und oft langanhaltend. Antibiotika verändern die Darmflora noch mehr - auch dauerhaft und mit monatelangen Folgen.
  • Hypergastrinämie: sie tritt bei allen Säurehemmern auf. Sie führt zu einem örtlichen Wachstum der Magenschleimhautzellen. Bei Ratten kam es bei Dauertherapie mit Omeprazol nachweislich zu Magenkrebs.
  • Nährstoffmängel: die Aufnahme von Mineralstoffen wird behindert (Zink, Magnesium, Calcium)
  • Vitamin B-12-Mangel mit Folge einer Anämie

Fehlende Magensäure beim Hund

zu wenig Magensäure für eine funktionierende Verdauung

Manche Hunde bilden zu wenig Magensäure. Das ist nicht einfach von einer Magensäureüberproduktion zu unterscheiden. Diese Hunde zeigen:

  • ebenfalls Aufstoßen nach der Fütterung
  • ebenfalls anfallsweise Grasfressen
  • ebenfalls viel Mund-/ Maulgeruch
  • dazu kommen häufige Durchfälle oder Darmentzündungen. Die Magensäure fehlt und kann die Bakterien und Keime nicht unschädlich machen.

Fehlt dem Hund Magensäure, dann fehlen auch Pankreas-und Gallensäfte für die Verdauung. Ihre Abgabe ist über die Konzentration der Salzsäure im Nahrungsbrei reguliert. Fehlen die Enzyme und die Galle, kann der der Nahrungsbrei nicht richtig aufgespalten werden. Dann kann der Dünndarm diese Nährstoffe auch nicht aufnehmen. Im Endeffekt entsteht das Bild einer Bauchspeicheldrüsen-Schwäche.

Zusätzlich können eine Darmfehlbesiedelung (Dysbakterie) entstehen. Oder Bakterien können sich in Bereichen ansiedeln, die eigentlich ziemlich frei von ihnen sein sollten. Beides führt zu Schwierigkeiten bei der Aufnahme der Nährstoffe und zu Darmentzündungen.

Die Diagnose: Fehlende Magensäure

Fehlende Magensäure beim Hund festzustellen, gelingt eigentlich nur über eine Gewebeentnahme aus dem Magen. Wenn bei einer Magenspiegelung (Endoskopie) viel narbig veränderte Magengewebe entdeckt wird, kann man davon ausgehen. Bei einer Biopsie kann es histologisch unter dem Mikroskop nachgewiesen werden. Die Entnahme und die Magenspiegelung ist nur in Narkose möglich. Sonst bleibt nur das genaue Beobachten, was Besserung verschafft. Wie alt der Hund ist, und wie lange seine Beschwerden schon bestehen, helfen die richtige Behandlung zu finden.

Die zu geringe Menge an Magensäure ist beim Hund nicht so selten, wie sie diagnostiziert wird.

Zusätzliche Schwierigkeit: vieles kann die Konzentration von Magensäure in beide Richtungen beeinflussen:

  • Medikamente
  • Stress
  • Allergien und IBD (Inflammatory Bowel Disease)

Magensäure-Probleme beim Hund

Einmalige Ereignisse bleiben für den Hund in der Regel ohne längere Folgen. Bei der Ursachenforschung für chronische Probleme steht die Fütterung an der ersten Stelle. Sowohl die Zusammensetzung kann für diesen individuellen Hund unpassend sein wie das Management, also etwa Rituale und Gewohnheiten.

  • Bei einer akuten Magen-/Darmentzündung sollte die Fütterung schnell angepasst werden. Die Magenschleimhaut sollte geschont werden und Zeit haben zur Regeneration, damit die Entzündung abheilen kann.
  • Stress bedeutet für viele Hunde einen Hauptgrund für ihre Magenprobleme. Das gilt gerade für Tierheim-Hunde und Auslands-Hunde. Sie sind auf das Leben in Deutschland oft nicht geprägt und können so lebenslang Schwierigkeiten haben.

Magenprobleme beim Hund können leicht chronisch werden. Deshalb sollte man nicht zu lange Herumprobieren, bevor man Hilfe sucht. Manchmal braucht es etwas Zeit, um das Problem wieder in den Griff zu bekommen.

Allerdings bietet eine individuell angepasste Fütterung, Verminderung von Stress und eine naturheilkundliche Unterstützung gute Chancen auf dauerhafte Erfolge für Ihren Hund.