Das Vestibularsyndrom beim Hund

Diagnose: "Schlaganfall" beim Hund

Das Vestibularsyndrom beschreibt eine Störung des Gleichgewichtsorganes im Innenohr. Eigentlich ist das, was den Hund getroffen hat, eher mit "Drehschwindel" beim Menschen zu vergleichen. Mit einem Hörsturz eventuell auch. Ein Schlaganfall wie beim Menschen aber ist es wirklich nicht. Aber dieser Vergleich, den manche Therapeuten immer noch wählen, erschreckt jeden Besitzer eines betroffenen Hundes.

Das Vestibularorgan im Innenohr sorgt für das Gleichgewicht. Es ist verantwortlich dafür, dass der Hund weiß, wie er sich zum Raum orientiert. Wo Oben ist und wo Unten. Beim Vestibularsyndrom ist seine Funktion gestört.

Vestibularsyndrom: leider recht häufig

Ein typischer Schlaganfall kommt beim Hund kaum vor. Was aber häufig ist, gerade bei älteren Hunden, ist das idiopathische/geriatrische Vestibularsyndrom. Ursache ist eine Durchblutungsstörung (oft unbekannter Ursache) im Vestibularorgan ("Gleichgewichtsorgan"). Dieses befindet sich im Inneren des Ohres.

Viele Alterungsprozesse werden durch Durchblutungsstörungen hervorgerufen. Ursache dafür sind Veränderungen der Blutgefäße: sie werden ebenso wie die roten Blutkörperchen steifer. So kommt es zum Verklumpen, "Staus" sozusagen. Außerdem verändert sich im Laufe des Lebens die Molekülstruktur des Bindegewebes. Die Transitstrecke zwischen Organzelle und Blutgefäß wird undurchlässiger. Die Folge ist, dass weniger Sauerstoff und Nährstoffe ins Gehirn und alle Organe gebracht werden kann. So werden Zellen schlechter ernährt.

Wenn die Durchblutungsstörung lange anhält, können Zellen absterben. Das erklärt, warum das Vestibularsyndrom so unterschiedlich schwer sein kann und unterschiedlich lange dauert.

Symptome des Vestibularsyndromes

Die Anzeichen eines Vestibularsyndromes kommen beim Hund meist sehr plötzlich, oft Innerhalb weniger Minuten. Das macht es so bedrohlich mitanzusehen.

  • Kreislaufen
  • Taumel oder Torkeln. Besonders bei schwierigen Übungen für das Gleichgewicht gerät der Hund ins Torkeln: z.B. Wechseln von Trab zu Schritt. Es ist wie direkt nach einer Narkose.
  • Kopfschiefhaltung: durch das gestörte Gleichgewichtsorgan fehlt dem Hund die Orientierung des Kopfes im Raum
  • Nystagmus: dieses seitliches Zucken der Augäpfel ist fast beweisend
  • Verwirrtheit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • manchmal zeigen die Hunde auch Herzrasen

Auch wenn diese Erscheinung leider oft "Schlaganfall" genannt wird, hat das Vestibularsyndrom mit dem klassischen Schlaganfall nichts zu tun. Im Gegenteil ist es eine fehlende Durchblutung des Innenohres, die hier die Symptome verursacht.

Oft ist das VS keine eigene Krankheit. Oft liegt eine allgemeine Durchblutungsstörung, etwa eine Herzschwäche, zugrunde. Auch Enzündungen können ein Vestibularsyndrom verursachen, z.B. Ohrenentzündungen, Zahnerkrankungen oder Infektionskrankheiten. Allerdings kann auch ein Tumor im Hintergrund vorhanden sein. Selten kann ein Vestibularsyndrom auch nach einer Narkose vorkommen.

Oft aber findet man keinen Auslöser.

Heilungsaussichten für das Vestibularsyndrom

Weil es eben kein Schlaganfall ist, stehen die Aussichten für das Vestibularsyndrom ziemlich gut. Kopfschiefhaltung, Schwindel, Taumeln vergehen meist innerhalb weniger Tage.

Behandlung des Vestibularsyndromes

  • Der Hund braucht viel Ruhe. Ruhe, und nochmals Ruhe ist jetzt wichtig. Leinenzwang und "Bettruhe" ist angesagt.So schwindelig, wie es dem Hund vermutlich ist, kann er sich selbst verletzen. Er kann die Treppe herunterfallen, oder beim Sprung vom Sofa fallen. Deshalb ist die Kontrolle hierbei so wichtig. Auch beim Spaziergang sollte man seinem vierbeinigen Kameraden jetzt helfen.
  • Der Hund sollte auf dem Boden bleiben. Das ist sicherer, und auf dem Boden ist der Schwindel auch nicht so schlimm. Wenn er getragen werden muss, sollte der Kopf gestützt werden. So fühlt er sich sicherer.
  • Viele Hunde fressen nicht. Ihnen ist übel, und die Koordination fällt ihnen schwer. Fütterung aus der Hand hilft hier.
  • Der Schwindel scheint auch schlimmer bei Dunkelheit - bzw. die Augen helfen in der Dunkelheit nicht mehr bei der Orientierung. Licht-Anlassen hilft hierbei.

Meist bessern sich nach 2-3 Tagen die Symptome langsam wieder. Nach ca. 4-6 Wochen ist der alte Zustand des Hundes meist wieder hergestellt. Manchmal bleiben Symptome erhalten. So kann der Kopf lange schief getragen werden.

Das Vestibularsyndrom kann sich wiederholen. Ein erneuter Anfall kann - muss aber nicht - schlimmer sein als der vorhergehende. Der Jack-Russel-Terrier auf dem Foto hatte seinen ersten Anfall vor genau einem Jahr (Leider nur ein Handy-Foto).

Schulmedizinische Therapie

Kortison, B-Vitamine und Vitamin B12 werden im akuten Anfall eingesetzt. Karsivan ® soll die Durchblutung fördern. Ein echtes Medikament gegen das Syndrom gibt es jedoch nicht. Kortison soll die Entzündung beim Vestibularsyndrom  verringern. Es führt bei Hunden jedoch zu Depression

Komplementäre Möglichkeiten beim Vestibularsyndrom

Wie gesagt, oft ist gar keine Therapie nötig. Aber Ruhe und liebevolle Aufmerksamkeit helfen den Hunden sehr. Durchblutungsfördernde Heilpflanzen können die Ernährung der Zellen bessern, und mit Akupunktur können die Symptome schnell gebessert werden.

Die Ernährung beeinflusst das Altern ebenso wie genetische Faktoren - die Veranlagung und alles, was ein Hund erlebt hat. Eine ungünstige Ernährung kann Stress für die Zellen bedeuten. Andererseits kann die richtige Ernährung hier auch helfen: die Ernährung des Gehirns kann über die Ernährung des Hundes optimiert werden. Zellschäden durch oxidativen Stress können mit gesunden Vitaminen und funktionelle Ergänzungen vermieden werden - so weit wie es in unserem stressigen Leben möglich ist.

Die chinesische Medizin befasst sich seit Jahrtausenden mit dem gesunden Alt-werden. Ihre Erfahrung kann Hunden erfolgreich helfen.

Wenn Sie weitere Fragen zur Behandlung eines Vestibularsyndroms beim Hund haben, rufen Sie mich an.

Jack-Russel-Terrier mit Vestibularsyndrom: Kopf-Schiefhaltung (Ohren auf unterschiedlicher Höhe), Ataxie in der Wendung mit überkreuzten Vorderpfoten
Kopf-Schiefhaltung, Kreislaufen und Ataxie (weit gekreuzte Vorderbeine) in der Wendung beim Vetibularsyndrom