Demenz beim Hund?

Alterbedingte Verhaltensveränderungen beim Hund

Mancher Hundesenior leidet unter Demenz-artigen Veränderungen des Gehirns und zentralen Nervensystems. Sie können zu Verhaltensänderungen führen: Ängstlichkeit, Vergesslichkeit, 'Sturheit' ist ebenso möglich wie der Verlust der Stubenreinheit, aufgeregtes Bellen oder Apathie.

Verhaltensstörungen, die durch Durchblutungsstörungen des Gehirns hervorgerufen werden, werden in der Medizin auch als ,Cognitive Dysfunktion Syndrome, CDS‘ bezeichnet. (In der Tier-Geriatrie geht man davon aus, dass viele alte Hunde an solchen Demenz-artigen Störungen leiden. Genaue Zahlen aber sind schwierig, weil Hunde so unterschiedlich schnell altern. Aber bereits ab vier Jahren verändert sich das Gehirn beim Hund. Demenz bei Katzen ist leichter einschätzbar.)

Symptome für "Demenz" bei einem Hund

Die Anzeichen dieser Demenz-ähnlichen Störungen bei Hunden können sehr unterschiedlich sein.

  • nächtliche Unruhe, spontanes Aufschrecken aus dem Schlaf und vermehrte Schläfrigkeit tagsüber. Dies sind Zeichen einer Veränderung im Schlaf-Wach-Rhythmus des Hundes - wie bei Demenz beim Menschen.
  • Orientierungslosigkeit. Manche Hunde vergessen, wo die Türen sich öffnen oder bleiben in Raumecken hilf- und orientierungslos stehen. Andere stehen sogar vor einer Wand und ,wissen nicht mehr weiter‘.
  • Unsauberkeit und Verlust der Stubenreinheit. Ein vermehrter Harndrang kann allerdings auch auf - zum Beispiel - Diabetes, Blasenentzündung oder Nieren-Insuffizienz (CNI, chronische Niereninsuffizienz) hinweisen und sollte deshalb abgeklärt werden. Eine Urinuntersuchung bietet eine schnelle Möglichkeit dazu.
  • manche alten Hunde suchen vermehrt Aufmerksamkeit. Andere werden apathisch und uninteressiert. Diese Hunde begrüßen auch oft nicht mehr.
  • wachsende Sturheit - der ,Altersstarrsinn‘. Hunde mit Dysfunktionen des Gehirns können sich nicht mehr so schnell an veränderte Bedingungen anpassen
  • einige Hunde zeigen Apathie und Gleichgültigkeit. Sie wollen nicht mehr spielen. Auch das kann schmerzbedingt sein und sollte dann anders behandelt werden.
  • viele Hunde werden ängstlicher und schreckhafter. Augen und Ohren lassen nach. Sie hören nicht mehr so gut und werden dadurch nervös. Andere werden schreckhaft und aggressiv (auch Aggressivität kann auf Schmerzen hinweisen, wie zum Beispiel bei Zahnschmerzen oder Schmerzen durch Bandscheiben-Beschwerden oder Spondylose. Schmerzbedingte Aggressivität und ,schlechte Laune‘ bei Schmerzen kennt man ja auch von Menschen gut.)
  • Viele alte Hunde fressen weniger gut. Bei Menschen ist bekannt, dass auch der Geschmackssinn im Alter nachlässt. Gerichte für menschliche Senioren werden deshalb oft stärker gewürzt, um im wahrsten Sinne des Wortes ,den Gaumen zu reizen‘. Aber auch Zahnschmerzen und Zahnstein, der zu chronischen Entzündungen des Zahnfleischs führt, können eine Ursache für das mäkelige Fressen sein. Auch eine Magenentzündung oder Leberbeschwerden können zu diesem Verhalten führen. Stellen Sie deshalb Ihren Hund Ihrem Tier-Therapeuten zur Untersuchung vor.
  • oft zeigen Hundesenioren eine geringe Lebhaftigkeit und Lebensfreude, ohne an anderen Erkrankungen zu leiden.

Wissenschaftlich werden diese Symptome, die viele alte Hunde zeigen, in Kategorien unterteilt.

Was tun bei Demenz?

Therapie der CDS/Demenz beim Hund

Hunde mit Demenz leiden - und ihre Besitzer leiden darunter, wie ihr vierbeiniger Kamerad sich verändert. Prinzipiell kann eine Demenz nicht geheilt werden. Die Therapie kann meist nur das Voranschreiten der Symptome aufhalten. Tatsächliche Schäden im Nervengewebe können nicht geheilt werden, mit keiner Form der Therapie.

Ernährung und Futterzusatzstoffe, Nutraceuticals

  • Durchblutungsfördernde Mittel und Behandlungsmethoden können - meist schon innerhalb eines Monats deutlich erkennbar - die Durchblutung im Zentralen Nervensystem und im Gehirn verbessern. So können Sie Ihrem Hundesenior zu mehr Vitalität und Lebensfreude verhelfen. Heilpflanzen wie Ginkgo Biloba können hier gutverträglich helfen.
  • Antioxidantien: Eine Ernährung, die reich an Antioxidantien ist, kann ebenfalls die Funktion der Nervenzellen verbessern. So ergaben Untersuchungen der Firma Hills zu einem mit Antoxidantien angereicherten Futter eine verbesserte Hirnfunktion. (Da ich Trockenfutter für Hunde nur in Ausnahmefällen empfehlen kann, würde ich hier eine natürlichere Variante vorschlagen. Hochwertige Grundstoffe für diese Ergänzungen findet man in jedem Lebensmittelladen. Gleichzeitig berücksichtigt die individuell angepasste Ernährung auch andere Probleme Ihres Hundes, wie Arthrosen, eine schwächere Leber- und /oder Nierenfunktion.) Ebenso kann eine gute, individuell zusammengestellte Ernährung vermutlich auch die Nervenzellen vor Schäden schützen - lebenslang.
  • Mitochondrienfaktoren wie L-Carnitin und Q10 können die Funktion der Nervenzellen verbessern.
  • SAMe (S-Adenosylmehtionin), eine Aminosäure, die im Körper an Regelvorgängen beteiligt ist, könnte beim kognitiven Dysfunktionssyndrom /Demenz beim Hund helfen. Dazu gibt es einige Studien. SAMe könnte auch bei Arthrose helfen. Die Studienlage ist noch undeutlich, die Aminosäure aber relativ unschädlich.

Training und Umgang

Individuell angepasstes Training und tägliche Köpfchen-Spiele verhelfen auch dem Hunde-Senior zu seinen Erfolgserlebnissen. Das Einüben neuer Befehle und Tricks trainiert das Gehirn ebenfalls. Auch andere Spazierwege bieten interessante Abwechslung. Und gleichzeitig nützen sie der Hirn-Funktion bei Demenz.

Die Therapie sollte auch die Behandlung von Narben und des Bindegewebes umfassen. Das Bindegewebe umgibt als Grundsystem jede einzelne Körperzelle. In ihm sammeln sich im Laufe eines Hundelebens Abfallstoffe und sogenannte Stoffwechselschlacken an. Sie behindern auch die Ernährung der Nervenzellen. So nützt die beste Behandlung zur Verbesserung der Gehirn-Durchblutung nichts, wenn die Nährstoffe die Nervenzelle nicht erreichen können.

Schulmedizinisch: Psychopharmaka

Selegilin ist ein Psychopharmakon, das für die Behandlung des kognitiven Dysfunktionssyndroms verwendet wird. Selegilin (z.B. Selgian®) ist ein Monoaminooxidase(MAO)-Hemmer. Selegilin darf nicht gleichzeitig mit bestimmten Antidepressiva verwendet werden (z.B. Clomipramin, Fluoxetin, Amitriptylin oder Buspiron).

Mögliche Nebenwirkungen: Bei Langzeitbehandlungen können Symptome im Bereich Verhalten auftreten, die schwer von der zu behandelnden Demenz zu unterscheiden sind: Die Hunde können überaktiv oder unruhig erscheinen. Schwäche ist ebenso möglich wie Hörstörungen (häufiges Anschlagen). Außerdem zeigten Hunde unter Selegilin Stereotypien. Zittern und Lethargie sind weitere, mögliche Nebenwirkungen. Auch im Bereich Magen und Darm gibt es Nebenwirkungen: Erbrechen und Durchfall sind möglich. Speicheln kann auf Übelkeit hinweisen.

Schwieriger ist, dass Selegilin die Aggressivität beim Hund steigern kann. Wenn Selegilin verschrieben wird, sollte immer gleichzeitig eine Verhaltenstherapie durchgeführt werden.

Entgiftungsorgane schonen

Bei jeder Behandlung ist besonders wichtig zu achten, dass die Entgiftungsorgane Leber und Niere nicht belastet werden. Eine seniorengerecht sanfte Therapie berücksichtigt die schlechtere Ausscheidung von Medikamenten im Alter.

Die Entgiftungsorgane haben Ihrem Hund geholfen, im Laufe seines langen, aktiven Hundelebens vieles zu überleben. Im Alter sind sie nicht mehr so leistungsfähig wie in jüngeren Jahren. Deshalb sollte die Häufigkeit der Gabe von Medikamenten sorgfältig überprüft werden. (So kann eine Narkose, die ein junger Hund problemlos verträgt, beim altgewordenen Hund langwierige Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit verursachen.)

Besonders die Traditionelle Chinesische Medizin befasst sich seit mehr als zweitausend Jahren mit Vorsorge, Gesundheitsvorsorge und dem gesunden Altwerden (Akupunktur). Auch die klassische Homöopathie bietet die Möglichkeit, sanft und erfolgreich diese altersbedingten Veränderungen zu behandeln. Rufen Sie mich an. Es gibt Lösungen auch für Ihren Hund.

Krankheitsursache und Ablauf der Hunde-Demenz

Demenz beim Hund ist im Ablauf und Verlauf der menschlichen Alzheimererkrankung sehr ähnlich. Genau wie bei Menschen kommt es zu nicht rückgängig zu machenden Veränderungen im Gehirn. Ablagerungen von "Abfallstoffen" (Alterspigment Lipofuszin oder β-Amyloid-Plaques) im Gehirn erschweren die Funktion der Nervenzellen. Sie können nur schlecht ernährt werden. Teilweise sterben die Nervenzellen dadurch ab.

Bei Hunden über sieben Jahren erkannte man bereits zwischen 30% - 66% der Hunde Anzeichen einer Demenz. Demenz ist also beim Hund alles andere als selten.

  • Eine genetische bzw. Rassedisposition ist derzeit nicht ausgeschlossen.
  • Weibliche und kastrierte Hunde leiden häufiger unter Demenz als als männliche oder nicht kastrierte Hunde.
  • Rauchen ist beim Menschen als deutlicher Risikofaktor für die Bildung von Lipofuszin (bei Makuladegeneration) anerkannt. Rauchen bedeutet Oxdativen Stress für die Zellen. Da auch im Hundegehirn bei Demenz Pigmente gebildet werden, und mit Antioxidantien die Folgen der Demenz gebessert werden können, kann man möglicherweise auch Rauchen als Risikofaktor für eine Demenz beim Hund zählen.
  • Wenig Abwechslung im täglichen Leben erhöht das Risiko für Demenz bei Hunden.

Ebensowenig wie Alzheimer beim Menschen bislang geheilt werden kann, kann es die aggressive Form der CDS beim Hund. Das Fortschreiten der Symptome aber kann mit einer angemessenen Therapie verlangsamt werden. Und Symptome der "normalen" Demenz alter Hunde können verringert werden. Wenn Ihr Hund unter Demenz leiden sollte, muss das nicht einfach akzeptiert werden. Sie können etwas dagegen tun.

zum Weiterlesen:

Dissertation zum Auftreten seniler Plaques im Zentralen Nervensystem von Hunden: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2001/510/pdf/d010113.pdf

Münsterländer-Rüde (unkastriert) mit 15 Jahren: fröhlich springt er über einen Ast, anstatt vorbeizulaufen
mit 15 Jahren: etwas langsamer in den Reaktionen, aber fröhlich und aktiv und keineswegs dement