Nierenprobleme und Nierenschwäche sind bei Hund und Katze gut bekannt. Regelmässig werden die Tiere darauf überprüft. Beim Pferd? Da ist das anders. Dabei weiß man, wie wichtig die Nieren für die Regulation des Stoffwechsels sind. Und der ist beim Pferd gar nicht selten gestört.

Blutwerte und Blutbilder weisen aber erst Schäden an den Stoffwechselorganen Leber und Niere nach, wenn bereits deutliche Schäden entstanden sind. Veränderungen der Nierenwerte erkennt man erst, wenn bereits ca. 75% der Nieren zerstört sind. Und die Nieren können sich, im Gegensatz zur Leber, nicht regenerieren. So sind Warnzeichen und "Frühmarker" um so wichtiger. Denn wenn man Pferde mit Stoffwechselproblemen richtig unterstützt, sind die Aussichten sehr gut.

Grundlagen der Behandlung einer Nierenschwäche

Der Stoffwechsel kann sich erholen, wenn man ihm hilft. Dazu gehört, dass die Fütterung möglich frei von leichtverdaulichen Kohlehydraten und hohen Anteilen von Eiweiß und Fett ist: das Pferd sollte also kein oder kaum noch Kraftfutter erhalten. Statt dessen sollte rohfaserreiches, hartes und langes Heu die Grundlage des Futters sein. Weiches, blätterreiches Heu, wie es auf unseren Hochleistungs-Grasäckern bis zu 10 Mal im Jahr geschnitten werden kann, ist für viele Pferde bereits zu energiereich. Eine dreimalige Fütterung von Kraftfutter ist besser verträglich als eine zweimalige und erhöht den Insulinspiegel nicht so stark.

Beim Zurückgewinnen der natürlichen Regulationsfähigkeit helfen dem Pferd Heilpflanzen, die die Niere und die Leber entlasten, oder Akupunktur, eine homöopathische Behandlung oder auch eventuell Schüsslersalze.

Nicht selten sind Nierenschäden und eine Nierenschwäche eine Folge einer überlasteten Leber. Aber auch andersherum ist das möglich - es ist nur ein Organismus, und alle Organe eines Pferdes sind vom guten Funktionieren der anderen abhängig.

Bei der Verdauung werden die nützlichen Bestandteile der Nahrung aus dem Darm resorbiert. In Blut und Lymphflüssigkeit werden sie weiter im Körper verteilt. Zuerst aber fließt das Blut aus dem Darm durch die Leber. Sie filtert viele Giftstoffe heraus. Kann sie das nicht mehr, müssen die Nieren mehr leisten - oft zuviel. Ursachen für die Überlastung der Leber können z.B. sein:

  • Giftstoffe aus der Umwelt
  • das Futter mit Schimmelpilzen oder anderen Giften belastet ist
  • Darm-Funktionsstörungen und Ungleichgewichte der Mikroben im Darm, Gärungen im Darm
  • eine ungeeignete, zu reichhaltige Fütterung
  • aber auch psychische Gründe wie unterdrückter Ärger (z.B. ständiger Streit mit dem Nachbarpferd)

Eine Nieren-Schwäche kann aber auch z.B. durch Medikamente entstehen. Manche Antibiotika oder Schmerzmittel können die Nieren direkt schädigen. Die Unterkühlung der Nierenpartie führt zu einer verringerten Durchblutung. Ist die Niere geschwächt, kann daraus auch eine Leber-Schwäche entstehen. Auch bei einer Nierenschwäche ist die Menge der Abfallstoffe (Toxine) im Blut und im Körper erhöht: die Niere kann sie nicht ausscheiden. gegen Unterkühlung helfen wärmende Decken, eventuell mit Keramikfasern, auch bereits bei längeren regnerisch-kalten Wetter. Auch nächtliches Aufstallen kann einem geschwächten Pferd helfen, nachts wieder warm zu werden.

Abfallstoffe und Toxine werden im Bindegewebe eingelagert

Blut ist das Haupt-Transportmedium des Körpers. Blut versorgt, ernährt und entsorgt die Abfälle sämtlicher Zellen des Körpers. Allein die gesteigerte Konzentration an Giften und Abfallstoffen sorgt dafür, dass sie sich im Bindegewebe anreichern - im ganzen Körper des Pferde. Auch, um die Leistungsfähigkeit des Körpers zu erhalten, werden solche "Depots" gebildet - solange der Körper noch reagieren und regulieren kann. Wenn es genügend Pausen gibt, in denen diese Depots von Abfällen und Toxinen wieder abgebaut werden kann, funktioniert das gut. Fehlen die Erholung, dann sammeln sich immer mehr Toxine im Körper an.

Abfallstoffe und Gifte ziehen Flüssigkeit an. Diese Flüssigkeit wird im Gewebe ebenso gebunden wie die Abfallstoffe und Schlacken des Stoffwechsels. Dann wirken die Pferde fett und aufgeschwemmt. Der Mähnenkamm ist dick und wirft vielleicht sogar Falten. Nach Ruhepausen haben die Pferde oft angelaufene Beine oder gar Ödeme unter dem Bauch oder am Rücken.

Geschwächte Nieren können den Säure-Base-Haushalt nicht mehr regulieren - und der ist für den Pferde-Körper unglaublich wichtig. Sämtliche Umsetzungsvorgänge des gesamten Stoffwechsels können nur so genau reguliert ablaufen, wenn der pH-Wert stimmt. Auch der Wasserhaushalt kann nicht mehr reguliert werden.

Die Veränderungen geschehen langsam. Eine chronische Nieren-Insuffizienz entsteht schleichend. Aber die Folgen für den Pferde-Organismus sind bereits vorher schwerwiegend.

Warnzeichen für Nieren-Probleme

Warnzeichen im Fell

  • Deckhaar ohne Glanz, vor allem wenn das Haar am Ende hochsteht
  • Verzögerter oder langsamer, unvollständiger Fellwechsel, schlechtes Winterfell

Hautprobleme, schlecht heilende Haut

  • Entzündungen und Entzündungsbereitschaft: Mauke, Raspe, Ekzeme, oder sogar Sommerekzem; Neigung zum Einschuß (Phlegmone)
  • Nesselfieber (Flecke, die den Körper überziehen und oft ein bernsteinfarbenes Sekret absondern), z.B. nach Shampoo oder Insektenstichen
  • Juckreiz
  • die Pferde werden leicht von Hautpilz, Haarlinge, Milben oder Zecken befallen
  • Wunden heilen schlecht

Hufe

  • Hufrehe
  • Hufabszesse, Strahlfäule trotz sauberer Einstreu

Ödeme zeigen den gestörten Wasserhaushalt des Pferdes

  • Aufwölbungen am Rücken, beidseits hinter der Sattellage (also im Nierensegment und direkt oberhalb der Nieren)
  • Angelaufene Beine, angeschwollene Hinterbeine
  • schwammige Gelenke, die Haut darüber wirft starre Falten bei Bewegung
  • dicker, fester "Speckkamm" am Hals, eventuell mit Falten bei der Bewegung
  • Polster an den Flanken (wie oben am Rücken) leicht mit Fettpolstern zu verwechseln, "ausgefüllte Flanken"

Warnzeichen veränderter Wasserhaushalt

  • ungewöhnliches Schwitzen - zu viel oder zu wenig und schlechte Kondition durch fehlendes Schwitzen (das könnte auch Folge eine Vergiftung mit Mutterkorn-Alkaloiden sein)
  • das Pferd trinkt extrem viel oder sehr wenig nur
  • viel Urin: die Einstreu ist sehr nass
  • „Fressen“ von Salz- oder Minerallecksteinen

Die Niere kann sich nicht regenerieren. Wenn erst einmal Nierenzellen untergegangen sind, kommt es zur Narbenbildung. Die Leber kann sich erholen. Die Niere kann nur kompensieren. Deshalb ist es so wichtig, Nierenschäden auch beim Pferd möglichst früh zu bemerken und schnell dagegen vorzugehen.

Bleibt der Stoffwechsel dauerhaft gestört, dann kann das Pferd weitere Krankheiten entwickeln. Equines Metabolisches Syndrom EMS, Insulinresistenz, Cushing beim Pferd, PSSM, Hufrehe, aber auch Allergien, Koliken, Kotwasser, Magengeschwüre und Mauke gehören dazu.

Auch Osteochondrosis dissecans (OCD, bei älteren Pferden dann Chips, Gelenkmäuse), Strahlbein- und Gleichbein-Erkrankungen, Arthrosen und Knochenzysten bei jungen Pferden stehen mit dem gestörten Stoffwechsel der Mineralien im Zusammenhang - und der wird maßgeblich von den Nieren reguliert.

Fazit

Vorbeugung ist immer einfacher und günstiger als Heilung. Stoffwechselstörungen sind noch recht einfach wieder in den Griff zu bekommen. Die Krankheiten, zu denen sie führen, haben schwerwiegende und oft dauerhafte Folgen für das Pferd. 

Besonders im Fellwechsel müssen Leber und Nieren bei Pferden viel leisten. Gerade dann aber wird das Futter umgestellt (Heu - Gras). Auch Wurmkuren und Impfungen finden meist jetzt statt - vor der Turniersaison, vor dem Weidegang.

Die Nieren in allen Phasen hoher Belastung zu unterstützen hilft, das Pferd lange gesund zu erhalten.