Gastritis beim Hund

von Magenschleimhautentzündung bis zum Magengeschwür … auch beim Hund leider häufig

Gastritis ist eine Entzündung des Magens - und Hunde leiden häufig unter Gastritis. Unterschiedlich schwere Formen kommen vor - von der leichteren Magenschleimhautentzündung bis zum tiefen Magengeschwür. Nicht nur bei Sporthunden sind diese Entzündungen häufig, sondern auch bei normalen Familienhunden. Schon Welpen können darunter leiden - und nicht selten bleibt die Magen-Entzündung jahrelang.

Bereits 2002 wurde ihr häufiges Vorkommen bei Sporthunden bewiesen. Beim Schlittenhunderennen „Iditarod 2001“ hatten von 73 Hunden nach dem Rennen 34 eine Gastritis (Weblink zu dem Artikel, englisch). Beinahe die Hälfte der Hunde litten nach dem Rennen unter Magenentzündungen (Gastritis) unterschiedlicher Schwere: Schleimhautentzündungen, Magengeschwüre und Magenblutungen. Beim „Iditarod 2003“ hatten nach dem Rennen sogar 61% der Hunde eine Gastritis mit Magengeschwüren. Und diese Hunde waren bei der ersten Untersuchung völlig gesund gewesen.

Gastritis beim Sport-Hund - Magenentzündungen bei Sportlern?

Der Auslöser der Gastritis, die in verschiedenen Unterformen vorkommen, bei diesen (Schlitten-)Hunden konnte noch nicht festgestellt werden. So nennt man sie bisher „Anstrengungsverursachte Magengeschwüre“.

Nachweislich beeinflusst Stress auch beim Hund das Hormonsystem und die Verdauung - negativ. Die Anstrengung für die Hunde während des Rennens bedeutet eine extreme sportliche Belastung über Tage. Auch wenn die Belastung für wohl nur wenige Hunde in Deutschland so groß ist, findet man auch bei Sporthunden in Deutschland ein hohes Risiko für Magenentzündungen - mag es sich um Turnierhunde im Bereich Flyball, Agility, Schutzhunde und Diensthunde, und für Hunde, die jagdlich geführt werden.

Magenschleimhautentzündungen bei Familien-Hunden?

Magenentzündungen entstehen auch bei Stress und Nervosität - wie beim Menschen. So findet man sie schon bei Welpen und bei bei Hunden in der Ausbildung häufig. Tierheim- und "Auslandshunde" bleiben oft ihr ganzes Leben nervös. Auch sie haben eine hohes Risiko für (chronische) Gastritis. Andere Untersuchungen vermuten, dass ca. 20% bis mehr als 40% aller Hunde in Deutschland (abhängig von Rasse und Haltung) unbemerkt an einer chronischen Magenentzündung leiden.

Bau des Magens

Der Hundemagen ist wie ein Sack, der mit Nahrung gefüllt werden kann. Er ist sehr dehnbar. Es ist ein Erbe seiner Ahnen, diese große Dehnbarkeit. So kann ein Hund die (geklaute) dreifache Portion Futter herunterschlingen oder einen ganzen Festtagsbraten - am besten natürlich, ohne dabei zu kauen.

Im Magen beginnt die Verdauung. Magensäure und Enzyme zerkleinern das Heruntergeschluckte. Sie "zerschneiden" die großen Brocken Futter zu kleinen Molekülen, die ein Hund im Darm aufnimmt. Sie zerstören auch gefährliche Bakterien. Magensäure und Verdauungsenzyme sind deshalb sehr aggressiv.

Schutzeinrichtungen helfen dem Magen, der Selbstverdauung zu entgehen.

Verschiedene Schichten bilden die Magenwand, Schichten mit unterschiedlicher Funktion und Aufbau.

  • Ganz innen liegt die Schleimhaut. Ihre Drüsen bilden den Magensaft: Salzsäure und Pepsin, das wichtigsten Enzym für die Eiweißverdauung.
  • Eine Muskelschicht schließt sich an. Mit ihrer Hilfe wird der Nahrungsbrei gut gemischt und mit dem Magensaft vermengt.
  • Außen liegt die Adventitia, eine feste, haltgebende Verschiebeschicht zur Umgebung.

Bei einer leichten, akuten Gastritis ist nur die innere Schleimhaut betroffen - eine Magenschleimhautentzündung. Reicht die Entzündung tiefer und dauert länger, nennt man es Magengeschwür.

Der Schutz des Magens kostet den Hunde-Körper Energie. Der Magen muss gut mit Blut versorgt werden, sonst wird der Schutz löchrig. Bei einer Gastritis durch Schneefressen (Schneegastritis des Hundes) nimmt die Blutversorgung durch Kälte ab. Der Magensaft kann dann die Schleimhaut angreifen. Erbrechen und Appetitlosigkeit können die Folgen sein. (Einige Tage Magenschonkost reichen meist, um dies zu heilen.)

Stress verursacht Gastritis und Magengeschwüre

auch beim Hund

Botenstoffe sorgen für den Schutz des Magens. Botenstoffe, die an anderen Stellen des Körpers Entzündungen bedeuteten, bedeuten für den Magen Schutz. Der Körper verwendet einmal bewährte Wege und Methoden gerne für viele unterschiedliche Aufgaben: beim Magen regulieren diese Botenstoffe die Regenration und Heilung. In entzündeten Gebieten veranlassen sie Schmerzen und Abbau von Gewebe. Deshalb kann Stress oder zuviel Cortison den Schutz des Magens stören - sie hemmen die Bildung dieser Botenstoffe. Das gleiche gilt für Schmerzmittel (besonders ältere Schmerzmittel wie Metacam®, Rimadyl®).

Besonders bei längerer Behandlung Ihres Hundes mit Schmerzmitteln sind Magen-und Darmentzündungen und Nierenschäden ein häufige unerwünschte Folge bzw. Nebenwirkung. Besonders gefährlich ist, dass diese Mittel gleichzeitig die Blutgerinnung hemmen. Ein Hund kann dann an seinen Magengeschwüren verbluten.

Stress bei Tierheim-Hunden

Stress erleiden gerade Tierheim-Hunde oder Auslandshunde häufiger, als man ihnen wünschen kann. So viel müssen sie neu Lernen: wie das Zusammenleben in ihrer neuen Familie geregelt ist; welche Regeln in dem neuen Land gelten. Viele dieser Hunde sind lebenslang empfindlich bei Stress. Auch die Vorgeschichte beeinflußt die Reaktion auf Stress oft lebenslang. Epigenetische Prägungen sind nur schwer zu überwinden. Ein entzündeter, schmerzender Magen durch eine (chronische) Gastritis ist gerade bei diesen oft vorsichtigen, gar ängstlichen Hunden nicht selten. Dazu kommt, dass auch das Schmerzgedächtnis angeregt wird. Das Schmerzgedächtnis chronisch kranker Hunde ist nicht nur bei Lahmheit ein Problem, sondern auch bei Schmerzen der Inneren Organe.

Eine chronische Gastritis oder Magenentzündung erhöht auch die Gefahr für Futtermittelunverträglichkeiten und Futtermittelallergien. Und sie ist schmerzhaft, auch wenn viele Hunde das nicht zeigen. Deshalb sollte eine Gastritis entschieden behandelt werden. Gerade für gestresste Hunde gilt: nicht nur der Magen ist krank, sondern ein Tier, mit seinen individuellen Reaktionen auf seine Umwelt.

Magenschleimhautentzündung bis zum Magengeschwür bei Stress und Nervosität

Ebensogut wie Viren und Bakterien kann auch Stress eine Magenentzündung verursachen. Wenn es lange anhält, kann es sogar zum blutenden Magengeschwür werden.

Auch mein Hund hatte einen heftigen Rückfall mit morgendlichen Erbrechen, obwohl wir jahrelang Ruhe hatten. Schmatzen, dauerndes Grasfressen und Ablecken seiner Decken kamen dazu, auch - für ihn typisch - schlechte Laune und Ärger. Ursache war sozialer Stress. Ein zweiter Hund war eingezogen. Es brauchte fast zehn Tage Therapie. Wir mussten den Ersthund mit seinem neuen Mitbewohner versöhnen, damit sein Magen uns nicht jeden Nacht hinaus trieb.

Hier war die Ursache eindeutig. Aber zur Behandlung von (chronischen) Krankheiten sollte immer auch die Psyche des Hundes berücksichtigt werden. Nur dann ist eine anhaltende Besserung möglich. Homöopathie und Akupunktur sind nach meiner Erfahrung dazu hervorragend geeignet.

Symptome einer (chronischen) Gastritis bei Haushunden

Hat Ihr Hund eine Gastritis?

Anzeichen der Magen-Schleimhautentzündung

Eine Gastritis ist beim Hund meistens unauffällig - leider. Nur Bluterbrechen ist wirklich beweisend für eine Magenentzündung. Die meisten anderen Symptome sind "Allerweltsdinge" und nur in der Kombination aussagekräftig.

  • Unwohlsein nach dem Fressen
  • mäkeliges Fressen, wechselnder Appetit - heute alles, morgen nichts oder nur ein Bissen. Viele Hunde mit Gastritis fressen oft morgens nichts. Erst im Laufe des Tages beginnen sie.
  • viel Durst: wenn Hunde viel und oft trinken, kann das auf Probleme mit der Magensäure hinweisen. Die Magensäure wird verdünnt. So ist sie weniger aggressiv.
  • Fressen unverdaulicher Dinge (wie Gras, Erde) kann ebenso auf eine Übersäuerung des Magens hinweisen
  • oft(!) Erbrechen
  • Schmerzen in der Magengegend und im Rücken (vor allem im Bereich Magen, etwa da, wo der hintere Riemen eines üblichen Hundegeschirres liegt). Auch eine Abneigung gegen das Geschirr kann mit durch eine Magenentzündungen entstehen.
  • Gewichtsverlust: die Hunde werden dünner. Ihre Abmagerung geschieht langsam und unauffällig: bei einer Gastritis fressen sie einfach nicht so viel, und sie verdauen schlechter
  • Auffälliger ist ein starker Foetor ex ore - stinkender Geruch aus dem Maul (ohne faule Zähne und entzündetes Zahnfleisch).

Die Anzeichen einer Magen-Entzündung ist meisten unauffällig - leider. Sogar tiefe und sehr schmerzhafte Magengeschwüre kann ein Hund "verstecken". Einzig Bluterbrechen ist eindeutig. Alle weiteren Anzeichen sind relativ unauffällig. Wie schmerzhaft aber eine Gastritis ist, weiß jeder Mensch, der einmal unter Sodbrennen gelitten hat.

Laborwerte bei Gastritis und weitere Untersuchungen

  • Die Laborwerte sind unauffällig. Es kann eine (leichte) Anämie vorliegen (eventuell Mikrozytäre Anämie durch chronischen Blutverlust).
  • Auf dem Röntgenbild kann eventuell einverdickte Darmwand festgestellt werden (jede Entzündung zeigt sich mit einer Schwellung).
  • Im Ultraschall kann ebenfalls eine verdickte Wand als Zeichen der Entzündung bemerkt werden.

Eindeutig nachweisbar ist eine chronische Magenentzündung nur durch eine endoskopische Untersuchung (Magenspiegelung). Ein jahrelang unbemerkter Verlauf kommt deshalb oft vor. (Auch die Gastritis bei Pferden bemerkt man oft nur schwer.) Die Fressgewohnheiten Ihre Hundes können einen wichtigen Hinweis geben. Auch die körperliche Untersuchung nach den Regeln der Chinesischen Medizin kann helfen, die Schmerzen im Magen festzustellen.

Ein entzündeter Magen schmerzt. Das weiß jeder Mensch, der einmal unter Sodbrennen gelitten hat. Leider verbergen Hunde ihre Schmerzen meist, und ganz besonders wenn es ihnen schlecht geht. Oft merkt man nur, wie sehr sie gelitten haben, wenn sie nach erfolgreicher Therapie wieder fröhlicher und lebhafter werden.

Cockerspaniel mit nachgewieser chronischer Gastritis
endoskopisch nachgewiesen, aber ansehen kann man der Hündin die Gastritis nicht

Folgen für den Hund

Abgesehen von den Schmerzen, unter denen ein Hunde mit einer Gastritis leidet (auch, wenn er sie versteckt), gibt es auch körperliche Schäden.

  • (leichte) Anämie durch Blutungen aus Magengeschwüren
  • Die Anämie kann durch einen Mangel an Cobalamin (Vitamin B12) verstärkt werden. Ein für die Aufnahme von Colbalamin nötiger Faktor wird im Magen und im Pankreas gebildet. Bei einer chronischen Magenschleimhautentzündung fehlt er. Cobalamin ist essentiell für den Hund, es gibt aber nur geringe Vorräte im Körper. Notfalls muss es regelmässig ergänzt werden.
  • Bei einem entzündeten Magen kann der obere Schließmuskel am Mageneingang geschädigt werden. Dann kann der Magensaft in die Speiseröhre aufsteigen. Die ist aber nicht so gut dagegen geschützt wie die Magenschleimhaut. Speieröhrenentzündungen und -geschwüre sind die Folge. Ebenfalls kann das zum Regurgitieren führen (Ausspucken von Nahrung, das man nicht mit dem Erbrechen verwechseln sollte.)

Therapiemöglichkeiten bei Gastritis und Magenschleimhautentzündung beim Hund

Schulmedizinisch

werden Antibiotika gegen Bakterien im Magen gegeben (Helicobakter und Bacteroides-Arten, GHLO, gastric helicobacter-like organism). Dazu kommen Säurehemmer (wie Omeprazol, Gastroguard ®) oder Antihistaminika, und die Schleimhaut schützende Medikamente (Sucralfat).

  • Sucralfat muss rechtzeitig vor der Fressen gegeben werden.
  • Antihistaminika wie Ranitidin ®, Cimetidin ® besetzen Rezeptoren, über die die Menge an Magensaft, die gebildet wird, gesteuert werden soll. Der Hund kann dann nicht mehr so viel Magensaft bilden. Kurzfristig funktioniert das gut. Bei längerer Therapie aber weicht der Körper aus: Er bildet mehr Histamin, um die "Zielmenge Magensäure" zu erreichen. Für eine langfristige Therapie sind die Medikamente wenig geeignet.
  • Omeprazol, Gastroguard ® ist ein Protonenpumpenhemmer. Er zerstört die Moleküle, mit denen der Hundemagen die Magensäure bildet. Deshalb muss es nur einmal am Tag gegeben werden. Aber auch hier gilt: wenn der "Sollwert Magensäure" dauerhaft nicht erreicht wird, erhöht der Körper die Menge an Protonenpumpen.

Nebenwirkungen

  • Diese Bakterien kommen ebenso oft bei gesunden Hunden wie bei kranken vor. Deshalb ist diese Therapie umstritten. Weil auch Resistenzen von Bakterien immer öfter vorkommen, sollte man jeden Antibiotikaeinsatz sehr gut begründen.
  • Auch Säurehemmer haben Nebenwirkungen. Die Magensäure ist für die Verdauung notwendig: das wichtigste Enzym, Pepsin, das Eiweiß spaltet, funktioniert nur, wenn es durch Säure aktiviert wurde. Außerdem tötet die Magensäure normalerweise Bakterien ab, die ein Hund mit dem Futter aufnehmen könnte. Das sind teilweise sehr gefährliche. Bei einer längeren Therapie mit Säurehemmern kann es zu schlechteren Verdauung und damit zu einer ungenügenden Nährstoffversorgung kommen. Außerdem können Bakterien Darmbereiche überwuchern, die normalerweise beinahe frei sind: Verdauungsstörungen sind die Folge.

Naturheilverfahren

In akuten und chronischen Fällen von Magenentzündungen und -Geschwüren kann Ihrem Hund homöopathisch oder durch Akupunktur geholfen werden - gut, schnell und nebenwirkungsfrei.

Die Syndromdiagnose der Akupunktur (Traditionelle Chinesische Medizin) ermöglicht es, eine individuell passende Nahrungsempfehlungen zu geben. Individuelle Unverträglichkeiten werden so berücksichtigt. Stressfaktoren beziehungsweise der Einfluss von Stress auf Ihren Hund ist ebenso für die Therapie wichtig: Die Harmonisierung der Psyche ist Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Die Wirkung kann ausgesprochen schnell eintreten, und das bessere Wohlbefinden merken Sie Ihrem Hund deutlich an. Stressfaktoren beziehungsweise der Einfluss von Stress auf das Befinden Ihres Hundes ist ebenso für die Therapie wichtig: Die Harmonisierung der Psyche ist Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie.

Auch eine homöopathische Behandlung kann bei Gastritis Ihrem Hund sehr schnell helfen.

Bei einer homöopathischen Behandlung werden die individuellen Symptome Ihres Hundes benutzt, um ein individuell passendes Mittel zu bestimmen. Das kann eine sehr schnell wirksame Behandlung sein. Auch die Homöopathie kann die nach meiner Erfahrung die Psyche behandeln und sie stärken. Beide Therapiearten arbeiten sehr gut zusammen und ergänzen sich, damit die Behandlung schnell Erfolge für ihren Hunde zeigen kann - etwa besseres Durchschlafen nachts, weniger Erbrechen, mehr Appetit bei Ihrem Hund.

Um eine Veränderung der Fütterung und die Verbesserung des Umfeldes für Ihren Hund kommen Sie im chronischen Fall meist nicht herum. Sonst wird die Gastritis immer und immer wieder erneut getriggert und ausgelöst. 10-14 Tage einer magenschonenden Diät helfen, die Schleimhaut wieder aufzubauen. (Bei Überempfindlichkeiten und Futtermittelallergien dauert es leider länger, eher 1-2 Monate. Die ersten Erfolge sieht man aber meist bereits nach spätestens ca. 10 Tagen.)

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Hund unter einer Gastritis leiden könnte, stellen Sie ihn bitte Ihrem Tier-Therapeuten vor. Ihr vierbeiniger Hausgenosse wird es Ihnen danken!

Zum Weiterlesen:

Facharbeit Gastritis und Magengeschwüre aus Sicht der chinesischen Medizin (keine Anleitung zur Selbstbehandlung, deshalb sind die Akupunkturpunkte gekürzt). (pdf öffnet in einem neuen Fenster)

Nachtrag:

Seit der ersten Fassung 2009 (noch unter w.w.w.Tierheilpraxis-Kerpen.de) sind stets meine eigenen Erfahrungen in der Therapie von (chronisch) magenkranken Hunden verwendet worden. Regelmäßig wurde der Artikel überarbeitet und aktualisiert.