Die Herbstzeitlose

Bekannt ist die Pflanze auch unter den Namen Wiesensafran, Wildsafran, was sich auf die Form der Blüte bezieht. Sie sieht wie eine Krokus aus, die zur völlig falschen Zeit blüht - nämlich Anfang des Winters. Auch Nackte Jungfer bezieht sich auf die Blüte: ohne ein einziges grünes Blatt als Schutz streckt sich der nackte Blütenstängel aus dem Boden. Winterhaube, Winterhauch, Zeitlose bezieht sich auf die Blütezeit. Die Herbstzeitlose kommt in ganz Europa vor. Teilweise wird sie in Gärten und Parks gepflanzt, teilweise wächst sie wild auf Wiesen und Weiden. Und sie ist schwer auszurotten. Inzwischen ist sie zu einem Problem für Landwirte und Pferdebesitzer geworden.

Giftige Teile der Herbstzeitlose:

Die ganze Pflanze ist sehr giftig, und ihre Giftwirkung geht auch im Heu nicht verloren. Besonders die Zwiebel (das ist im Heu nicht so das Problem, denn die bleibt im Boden) als auch der Samen und die reifende Samenkapsel sind giftig. Und die grünen Blätter (im Heu sehen sie ziemlich charakteristisch rot-braun aus) bleiben giftig, auch bei jahrelanger Lagerung.

Giftwirkung der Herbstzeitlose beim Pferd

Colchicin, das Gift der Herbstzeitlosen, hemmt die Zellteilung. In der Forschung wird es verwendet, um Mutationen zu erzwingen. Gleichzeitig wird Colchicin auch für die Embryonen im Mutterleib schädlich (teratogen). Denn bei ihnen findet Wachstum und damit Zellteilung im ganzen Körper statt.

Das Gift der Herbstzeitlose wird im Darm schnell aufgenommen. Es gelangt in den enterohepatischen Kreislauf - das heißt, es wird mit der Galle ausgeschieden und im Darm erneut zurückresorbiert, so dass es mit der Galle erneut ausgeschieden wird … Das erschwert die Entgiftung für den Körper.

In den Zellen behindert das Gift der Herbstzeitlose die Zellteilung und den Intrazellulären Transport. Besonders Zellen, die sich schnell teilen, wie Knochenmark und Darmschleimhaut, sind davon betroffen. Und der Darm ist durch die Giftwirkung bereits geschädigt. Entzündungen und Geschwüre heilen langsamer, weil die Zellteilung nicht richtig funktioniert.

Giftwirkung auf die Schleimhaut

An Schleimhäuten ist es stark reizend und führt zu Entzündungen im Maul, im Rachen und zur Magen-Darmentzündung Gastroenteristis. Die Pferde speicheln deshalb. Ihr Maul ist wund. Kleine Wunden und Geschwüre sind zu finden, dort, wo die Giftwirkung stärker war. Die Pferde trinken viel und können dabei Schluckbeschwerden haben. Koliken und Durchfall sind möglich.

Vergiftung mit der Herbstzeitlosen: Schäden im Knochenmark, Gerinnungsstörungen

Die Zellteilung wird auch im Knochenmark geschädigt. Es kommt zu einer Knochenmarksdepression. Dadurch fehlen Blutplättchen für die Blutgerinnung. Es kommt zu Blutungen und zur mangelhaften Blutgerinnung. Der Tod kann durch Kreislaufschock oder Atemlähmung eintreten. Die Schäden an den kleinen Blutgefäße durch die Giftwirkung verstärkt die Blutungen.

Wirkung der Herbstzeitlose auf Gehirn und Nervengewebe

Cholchicin gelangt auch in das Gehirn. Es wirkt im zentralen Nervensystem zuerst erregend und dann lähmend. Auch hier kann eine Atemlähmung eintreten. Die sensiblen Nerven im Körper werden zunächst übererregbar, dann gelähmt. Als Folge kann auch eine schmerzhafte Nervenentzündung auftreten. Das heißt, in niedrigeren Dosis wirkt das Gift der Herbstzeitlose zuerst erregend auf Pferde. Es macht sie nervös und unruhig. Fressen Pferde größere Mengen, dann werden sie faul bis zur Apathie.

Wirkung auf die Muskulatur

Das Muster ist das gleiche. Zuerst verursacht das Gift der Herbstzeitlose eine Erregung. Dann, bei höherer Dosis, folgt eine Lähmung: Muskelkrämpfe gefolgt von Lähmung. Der Muskel kann zerstört werden. Das heißt, bei niedriger Dosis zeigen die Pferde eine harte, angespannte Muskulatur, die bei Berührung mit Zittern und Hartspann reagiert. Später eine Bewegungsstörung, eine umkoordinierte Bewegung, weil die Muskelfasern gelähmt werden.

Die Vergiftung mit der Herbstzeitlose kann tödlich sein. Auch Herbstzeitlose im Heu kann tödlich sein.

Symptome einer akuten Vergiftung mit Herbstzeitlose beim Pferd:

Die Symptome der akuten Vergiftung, wenn ein Pferd also soviel Herbstzeitlose gefressen hat, dass es sich sofort daran vergifttet, sind auffallend und dramatisch.

  • Futterverweigerung, Speicheln, erhöhter Durst
  • Schweißausbrüche
  • Koliken und (blutiger) Durchfall
  • Vermehrter Harnabsatz (Folge einer geschädigten Niere, Niereninsuffizienz ist möglich!)
  • Kreislaufstörungen
  • Lähmungen

Der Tod tritt bei entsprechend schlimmer Vergiftung nach 1 – 3 Tagen durch Atemlähmung ein. Die tödliche Dosis liegt bei etwa 400 gr getrockneter Pflanzenteile.

Chronische Vergiftung beim Pferd mit der Herbstzeitlosen:

Die chronische, langsame Vergiftung mit niedrigeren Mengen Herbstzeitlose ist schwierig zu erkennen. Sie kann heute durch Heu passieren. Die Symptome sind sehr unterschiedlich und alles andere als eindeutig.

  • Koliken
  • (blutige) Durchfälle
  • Husten, Leistungsschwäche, Atemnot als Zeichen der Wirkung auf den Atmungsapparat
  • Ödeme, vor allem auch am Kopf, aber auch unter dem Bauch, zeigen die Wirkung auf den Kreislauf
  • Erhöhte Leberwerte durch Leberschädigung.
  • Lahmheiten. Bereits bei 0.47gr/gr LM hatten einige Pferde eine Hufrehe.

Behandlung der Vergiftung mit Herbstzeitlose

Die Symptome der akuten Vergiftung sind so auffällig, dass sofort das Pferd in die Klinik sollte. Die chronische Vergiftung ist unauffällig und schwer zu erkennen, weil ihre Symptome so wechselhaft und individuell unterschiedlich sind. Reagieren in einem Stall mehrere Tiere, so sollte immer auch das Futter genau überprüft werden.

Das wichtigste bei allen Vergiftungen ist stets, dass das Pferd in Zukunft ein giftfreies Futter erhält. Toxinbinder im Futter können helfen, den enterohepatischen Kreislauf im Darm zu unterbrechen. Mariendistel kann der Leber helfen. Ansonsten erfolgt eine symptomatische Therapie, je nach den individuellen Schäden, die das Pferd erlitten hat.

Weil Leber und Niere bereits geschädigt sind, sollte jeder Einsatz von Medikamenten vorsichtig erfolgen. Abbau und Entgiftung der meisten Medikamente erfolgen in Leber und Niere. Bei geschädigten Organen kann er langsamer werden. Wird darauf nicht Rücksicht genommen, kann sich das Pferd an einem gutgemeinten Medikament vergiften. Hier wäre Akupunktur eine gutverträgliche Alternative.

Achtung:

Die Vergiftung kann im Sommer auftreten, wenn junge, weide-unerfahrene Pferde die Pflanze mit den Samenkapseln fressen. Im Herbst durch die Blüten - ganzjährig im Heu.

Durch den heute oft bevorzugten späten 1. Schnitt im Juni kann sich die Herbstzeitlose gut entwickeln und ausbreiten. So kann gerade artenreiches, gutes, grobes Heu die Herbstzeitlose enthalten.

Zum Weiterlesen:

https://vfdnet.de/index.php/nordrhein-westfalen/8775-herbstzeitlose-der-schleichende-tod