Der Fellwechsel beim Pferd

erhöhter Bedarf - aber nur zeitweilig

Ein Fellwechsel erwischt uns mitten im Winter. Man ahnt noch nicht einmal, dass es überhaupt Frühling werden könnte, während das Pferd bereits kräftig Haare verliert. Das Fell wird etwas stumpfer. Schwerfuttrige Pferde magern etwas ab. Der Fellwechsel ist voll im Gang!

Der andere Fellwechsel beginnt schon mitten im Sommer, wenn die feinen, leichten Sommerhaare abgestoßen werden. Sie machen dem dichten Winterpelz Platz.

Der Fellwechsel

Normalerweise schaffen die Pferde ihren Fellwechsel ohne weitere Probleme: sie sind darauf vorbereitet. Schwieriger kann es aber auch werden. Manche Pferde brauchen in dieser Zeit Hilfe.

Probleme im Fellwechsel können sich zeigen bei:

  • älteren Pferde
  • nach längerer Mangelversorgung (in Deutschland eher selten)
  • nach Überbelastungen des Stoffwechsels (Medikamente, Stallwechsel, Sportpferde, leber-geschwächte und nierengeschwächte Pferde, Stress im Stall/ der Gruppe, Giftstoffe in Umwelt und im Futter)
  • bei Krankheiten /Allergien /Ekzemen

In all diesen Fällen kann der Fellwechsel ein größeres Problem werden. Eine Reihe von Folgeerkrankungen sind dann möglich. Dazu gehören:

  • Infektionen bei immungeschwächten Pferden
  • Husten bei Allergikern /Pferden mit COB COPD,
  • Bronchitis,
  • Ekzem oder Mauke
  • Allergien
  • Gelenkbeschwerden, Muskelverspannungen, …

Wenn das Pferd Schwierigkeiten mit dem Fellwechsel hat, kann es anfällig für Infekte werden. Das ganze Immunsystem kann gestört werden - das dichte Fell ist ein wichtiger Teil der Schutzbarrieren des Immunsystems.

Ölfütterung im Fellwechsel

Bei Weidegang und Sonneneinstrahlung bereitet sich der Stoffwechsel des Pferdes optimal auf den anstrengenden Fellwechsel vor. Auf der Weide frisst das Pferd Omega-3-Fettsäuren (im frischen Grün mehr als ausreichend enthalten). Im Winter muss es auf seine Speicher zurückgreifen.

Mangel an Omega-3-Fettsäuren kann den Fellwechsel verlangsamen. Auch Hufhorn, Hautregeneration und Hautstruktur wird bei einem Mangel schlechter. Nervenzellen und Durchblutung werden bei einem Mangel schwächer. Im Fellwechsel kann es tatsächlich Sinn machen, Leinöl, Nachtkerzenöl oder Hanfsamen/Hanföl zu füttern.

Ungesättigte Fettsäuren sind anfällig gegen Verderb und Ranzig-Werden. Sie sollten möglichst frisch gepresst und nicht lange gelagert werden. Fette und Öle liefern Kalorien. Besonders bei leichtfuttrigen Pferden muss das in der allgemeinen Ration berücksichtigt werden.

Fellwechsel (ver-)braucht Nährstoffe

Besonders Zink wird für einen gesunden Fellwechsel und gute Hufe gebraucht. Bei der Bildung von Keratin, dem Hauptbestandteil der Haare, ist es nötig. Außerdem fördert Zink die Zellteilung und das Wachstum der Haare.

Auch Kupfer und Mangan sind für den Fellwechsel wichtig. Selenmangel dürfte bei der Gabe eines kommerziellen Mineralfutters in Deutschland kaum noch auftreten - eher eine Überversorgung/ Selenvergiftung. Magnesium hilft der Hautdurchblutung und der Energieversorgung aller Zellen. Auch Schwefel und Silizium sind für ein schönes, glänzendes, dichtes Fell wichtig.

Bei den Vitaminen werden Folsäure und Biotin wichtig, aber beide werden üblicherweise von den Bakterien im Dickdarm ausreichend gebildet. Bei Durchfall/Kotwasser könnten hier Probleme auftreten.

Im Winter werden Heu und Stroh gefüttert. Damit sind Schimmelpilze und Schimmelpilzgifte nie völlig zu vermeiden. Deshalb kann nach dem Winter auch eine Entgiftung der Leber sinnvoll sein.

je schlechter der vorhergehende Fellwechsel war, desto mehr muss man in dieser Zeit aufpassen und eventuell Zufüttern.

eine Tinker-Stute im Winterschnee: um dieses Fell wachsen zu lassen waren Energie und Nährstoff-Vorräte nötig - was die junge Stute ausreichend hatte
langes Fell im Winter

Schlechtes Raufutter rächt sich

Die gesunde Fütterung - nicht zu viel, nicht zu wenig - ist beste Grundlage für einen gesunden und leichten Fellwechsel. Deshalb sollten Pferde stets hochwertige Raufutter als Futtergrundlage erhalten: Heu und Stroh der besten Qualität. Hafer ist ein rohfaserreiches und für Pferde sehr gut geeignetes Kraftfutter - besser verdaulich als Mais oder Gerste.

Schimmelpilz-kontaminiertes Futter hinterlässt seine Spuren im Körper. Langfristig führt es zu Hautproblemen, Leberstörungen und Krankheiten der Atemwege.

Auch Chemikalien belasten den Stoffwechsel - und der ist im Fellwechsel schon belastet. Impfungen, Antibiotika und Wurmkuren müssen vom Pferd verstoffwechselt, abgebaut und entgiftet werden. Das kann Nährstoffe verbrauchen. Zumindest aber belastet es die Entgiftungsorgane.

stets wichtig: Stoffwechsel entlasten

Viele Fertigfutter, Müslis und Mash enthalten synthetische Zusatzstoffe. Aromastoffe, Bindemittel und Konservierungsstoffe, die in vielen Produkten enthalten sind, belasten den Stoffwechsel. Eine Leberunterstützung mit Heilpflanzen verbessert die Verdauung. Wenn der Darm besser funktioniert, muss die Leber weniger entgiften. Das ist die beste Grundlage für ein gesundes Immunsystem. Das, und eine individuell angepasste Fütterung, eine optimale Haltung  und ausreichend Bewegung.

Die Fütterung dem Bedarf anpassen

Heu hat sich verändert. Es liefert weniger Nährstoffe und Mineralien als noch vor zehn Jahren. Auch sein Energiegehalt hat sich verändert. Die Zugabe von Spurenelementen ist wichtiger geworden, um eine ausgewogene, gesunde Ernährung zu erreichen. Nicht nur im Fellwechsel ist das nötig.

Andererseits sind Zivilisationskrankheiten durch eine Überversorgung vor allem mit Mineralien (Selen) häufiger geworden. Also ist Vorsicht geboten: Pferde sind eher an einen Mangel angepasst als an eine Überversorgung. Trotzdem möchten wir unsere Pferde nicht zu einem Mangel "verdammen".

Fazit: Ergänzung: ja, aber bedarfsgerecht, und mit Hilfe für Leber und Nieren. Dann kann der Fellwechsel auch bei alten Pferden gut ablaufen!