Exokrine Pankreasinsuffizenz - EPI

Hunde mit exokriner Pankreasinsuffizienz (EPI) fallen meist mit Gewichtsverlust und chronischen Durchfall auf. Ihr Kot ist eher hell, dafür haben sie sehr viel davon. Es sind große, ungeformte, aber nur selten flüssig-weiche Kotwürste von eher grauer oder heller Farbe, aber jedenfalls nicht das dunkle Braun anderer Hunde. Gelegentlich - je nach Fütterung - ist der Kot auch fettig. Viele Hunde mit exokriner Pankreasinsuffizienz fressen sehr viel. Einige haben eine regelrechte 'Fresssucht'. Aber an ihnen bleibt "nichts Dran".

Bei EPI (ebenso wie bei der leichten Pankreatitis und der Gastritis) sind die üblichen Laboruntersuchungen des Blutes oft unauffällig: es gibt keine einfachen, klaren Hinweise.

Aufgaben der Bauchspeicheldrüse

Der exokrine Pankreas bildet die Verdauungsenzyme, den sogenannten Pankreassaft. Er ist notwendig, um die Nahrung - die oft großen Stücke, die ein Hund so herunterschluckt - in so kleine Moleküle zerlegt werden können, dass der Hundedarm sie aufnehmen kann. Bei der Exokrinen Pankreasinsuffizienz EPI beim Hund fehlen diese Enzyme für die Verdauung: der Hund kann seine Nahrung nicht mehr aufnehmen.

Der Pankreassaft ist sehr alkalisch. Er neutralisiert die Magensäure im Futterbrei. So ermöglicht er beste Arbeitsbedingungen für die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse.

Die Verdauungsenzyme beim Hund

  • Peptidasen zur Verdauung von Eiweißen (Pepsin, das wichtigste eiweißspaltende Enzym, wird aber bereits im Magen gebildet)
  • Amylase zur Verdauung von Kohlenhydraten: Stärke und Zucker (Hunde sind individuell sehr unterschiedlich gut bei der Verdauung von Kohlehydraten)
  • Lipasen verdauen Fette
  • Nukleasen zur Verdauung von DNA und RNA

Die Menge der Enzyme, die die Bauchspeicheldrüse bildet, kann sich (auf Dauer) an die Art des Futters anpassen. Bei kohlenhydratreicher Fütterung (übliche Trockenfutter) wird mehr Amylase gebildet.

So kann auch die Umstellung von Trockenfutter auf BARF für einen Hund problematisch sein. Er muss erst "lernen", ausreichend Magensaft und weniger Amylase zu bilden.

Die Verdauungsenzyme sind sehr aggressiv. Sie würden auch die Bauchspeicheldrüse selbst verdauen. Deshalb werden sie in Vorstufen gebildet und in diesen inaktiven Vorstufen in den Darm abgegeben. Versagen die Schutzmechanismen, kommt es zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Dann können die Verdauungsenzyme ihr (Un-)Wesen in der Bauchspeicheldrüse treiben.

Inmitten der Zellen, die die Verdauungsenzyme bilden, liegen die nach ihrem Entdecker benannten Langerhansschen Inseln. Sie bilden hauptsächlich die den Blutzuckerspiegel regulierenden Hormone Insulin und Glucagon. Aber auch Hormone, die z.B. die Ausschüttung von Pankreassaft regulieren und ein Sättigungsgefühl erzeugen. Auch sie können bei einer Pankreatitis zerstört werden. Das geschieht glücklicherweise nicht bei jeder Pankreatitis.

Nährstoffe können erst nach "Zerschneiden" durch die Verdauungsenzyme durch die Darmwand ins Blut gelangen. Erst dann können sie dem Hund als Energielieferanten dienen. Bei der EPI bildet die Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme. Diese müssen durch spezielle Enzympräparate ersetzt werden, damit die Verdauung gelingt.

Ein Colli im Galopp: eine der Rassen, die zur (chronischen) Pankreatitis neigen
Rassebedingte Disposition zur Pankreatitis: ein Collie

Wie wird die exokrine Pankreasinsuffizienz festgestellt?

Eine Verdachtsdiagnose kann in fortgeschrittenen Fällen bereits durch das Aussehen der Hunde gestellt werden: Sehr schlank (zu dünn), struppiges und wenig glänzendes Fell, blasse Schleimhäute (leichte Blutarmut), verfressen und fressen sehr viel. Dazu kommt der helle Kot in großen Mengen. Die Diagnose EPI wird meistens durch bestimmte Emzymaktivitäten im Blut gestellt.

  • Blutuntersuchung:
    • Trypsin like Immunreactivity (TLI), TLI im Blut gilt beim Hund als spezifisch für die Aktivität des Pankreas. Allerdings kann sie bei langsamen, chronischen Verläufen noch unauffällig sein.
    • die Pankreaslipase ist nur bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) mit Zerstörung von Zellen erhöht.
    • Cobalamin (Vitamin B12): kann bei vielen chronischen Verdauungsstörung nicht aufgenommen werden (Gastritis, IBD, Darmentzündungen durch Futtermittelallergien, …). Es ist also ein unspezifischer Wert, der aber für das Wohlbefinden des Hundes wichtig ist.
    • Folsäure: wenn durch fehlende Verdauungsenzyme die Nahrung nicht verdaut werden kann, kann es zu einem "überwuchern" von Darmabschnitten mit Bakterien kommen, die diese Folsäure bilden.
  • Kotuntersuchung: Hier kann die Ausnutzung der Nahrung untersucht werden und die Menge der Enzyme, die bei der Verdauung abgegeben werden
    • Chymotrypsin: bei Pankreasinsuffizienz erniedrigt. Es kann nur gemessen werden, wenn der Hund keine Enzyme erhält, sonst wird das Ergebnis verfälscht. Auch Durchfall und unterschiedliche Bakterien im Darm können das Ergebnis verändern. Sinnvollerweise wird eine Sammelkotprobe von der Tagen untersucht. Auch die Fütterung beeinflusst das Ergebnis: sie sollte hochverdaulich und appetitlich für den Hund sein, damit die Bauchspeicheldrüse möglichst kräftig arbeitet. Alles in allem ist Chymotrypsin ein eher umständlicher und aufwändig zu bestimmender Wert.
    • Pankreaselastase: bei Pankreasinsuffizienz erniedrigt. Sie wird allein im Pankreas gebildet und ist nicht von der Gabe von Enzymen und Pankreasfeermenten abhängig. Sie ist darmstabil. Leider aber ist sie ein eher unspezifischer Test. Als Suchtest ist sie recht gut geeignet, aber nicht zur Absicherung.
    • Gesamt-Fettsäuren im Kot: bei Pankreas-Insuffizienz erhöht. Fettsäuren können allerdings auch bei einer chronischen Entzündung des Darmes abgegeben werden. Auch bei einer Leberschwäche kann die Fettverdauung geschwächt sein.

Entstehung der EPI - Exokrine Pankreasinsuffizienz, Bauchspeicheldrüsenschwäche

Nicht selten wird bei Hunden, die einmalig unter einer leichten Form einer Pankreatitis leiden, dies gar nicht bemerkt. Auch, wenn sich das Krankheitsbild wiederholt, bleibt eine möglicherweise hinter diesen Verdauungsbeschwerden steckende Pankreatitis nicht selten undiagnostiziert.

Die chronische Pankreatitis mit milden, sich wiederholenden Entzündungen kann auf Dauer zur Zerstörung der Bauchspeicheldrüse führen.

Diabetes mellitus droht aber oder auch einmal ein schwererer Schub, der auch lebensgefährlich für den Hund sein kann. Deshalb sollte man gerade hier bereits eine gute Ursachenforschung betreiben.

Dass eine einmal auftretende akute Entzündung so viel Gewebe zerstört, dass die Bauchspeicheldrüse "nicht mehr liefern kann", ist äußerst selten. Häufiger ist eine Pankreasinsuffizienz (EPI) beim Hund die Folge einer chronischen Pankreatitis. Die kann mit so milden Schüben auftreten, dass die Entzündungen unbemerkt bleiben. Bis irgendwann nicht mehr genügend gesundes Gewebe übrig ist, um noch die notwendigen Enzyme für die Verdauung zu bilden.

  • bei Schäferhunden gibt es eine erbliche Neigung zur Pankreatitis (und daraus oft eine folgende Pankreasinsuffizienz, EPI). Dies kann bereits bei Junghunden beginnen und zu einer Atrophie der Bauchspeicheldrüse führen.
  • Bei Mini-Schnauzern besteht oft eine Hypertrigyzeridämie
  • Futtermittelallergien bei allen Rassen
  • nicht selten kommt eine chronische entzündlichen Darmerkrankung (Inflammatory Bowel Disease, IBD, "Morbus Crohn") gleichzeitig mit der Pankreatitis beim Hund vor

Tumore verursachen nur selten eine Bauchspeicheldrüsenschwäche beim Hund.

Behandlung bei exokriner Pankreasinsuffizienz (EPI)

Pankreasenzyme ergänzen

Hunden mit einer Schwäche der Bauchspeicheldrüse (bis zu einer ausgeprägten Insuffizienz des exokrinen Pankreas) fehlen die Enzyme für die Verdauung ihrer Nahrung. Glücklicherweise kann man die recht gut ergänzen. Es gibt Extrakte aus Schweine - oder Rinderpankreas. Auch rohes Pankreas vom Rind, Schwein oder - für Allergiker - Wild ist möglich.

Verdauungsenzyme verdauen, und ihnen ist egal, was. Manche Hunde können bei Fütterung von Pankreasenzymen Blutungen oder Geschwüre (Ulzera) der Maulschleimhaut bekommen. Das kann eine Reduzierung der Dosis nötig machen. Es gibt magensäureresistente Enzyme, die mit der Nahrung vermischt sofort verfüttert werden können. Andere Präparate müssen einige Zeit (20 Minuten- 2 Stunden, je nach Präparat) dem Futter zugesetzt bleiben. Ein großer Teil der Verdauung findet so im Futternapf statt. Auch Kapsel mit Enzymen gibt es inzwischen, die relativ bequem zu verwenden sind. Was für den eigenen Hund am besten ist, muss individuell herausgefunden werden.

Vitamine ergänzen

Hunde mit EPI können schlechter Nährstoffe verdauen und für den Körper aufnehmen. Das gilt auch und besonders für das Vitamin B12 - Cobalamin. Cobalamin/B12 ist an vielen Umsetzungsvorgängen im Stoffwechsel eines Hundes beteiligt, unter anderem auch an der Bildung der Roten Blutkörperchen. Sein Mangel führt zur Blutarmut, einer Anämie. Vitamin B12 wird an einen sogenannten Intrinsic Factor gebunden. So kann es im Dünndarm resorbiert werden. Der Intrinsic Factor wird im Magen und in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Bei chronischen Verdauungsstörungen muss Vitamin B12 ergänzt werden, und weil es im Verdauungstrakt nicht aufgenommen werden kann, muss es als Injektion gegeben werden.

Vermutlich wird ein Hund mit EPI lebenslang Vitamin B12 erhalten müssen. Bei Hunden sind die Speicher dafür nicht sehr groß.

Fütterung bei EPI - exokriner Pankreasinsuffizienz

Die meisten Hunde mit EPI können durchaus noch einige Enzyme bilden - nur nicht genug. Die Menge, die sie noch bilden können, ist individuell völlig unterschiedlich. So ist auch die Dosis der Enzyme und die Fütterung eines Hundes mit EPI individuell sehr unterschiedlich. Was der eine braucht, ist für einen anderen Hund völlig unverträglich. Und immer wieder kann es vorkommen, dass ein Krankheitsschub es verändert.

Hunde mit chronischer Pankreatitis und auch bei EPI brauchen meistens eine Ernährungsumstellung. Sowohl Fertigfutter als auch selbst zubereitetes Futter ist möglich. Falls eine andere Krankheit wie IBD oder eine Allergie zugrunde liegt, kann ein selbstgemachtes Futter tatsächlich für den Hund günstiger sein. Die Ernährung eines Hundes mit Schwäche der Bauchspeicheldrüse selbst sollte für jeden einzelnen Fall individuell betrachtet werden - die Hunde sind so sehr individuell unterschiedlich in dem, was sie vertragen.

Zur Ernährung finden sich in der Literatur widersprüchliche Aussagen.

  • es gibt die Meinung, dass nur sehr wenige Hunde mit EPI eine fettarme Diät brauchen.
  • Eine andere Meinung ist, dass Hunde mit EPI ein fett-reduziertes, kohlehydratreiches Futter bekommen müssen. Ihre Fettverdauung kann gestört sein. Ein fettarmes Futter würde den Blut-Fettspiegel senken. Faserreiches Futter würde dies unterstützen und zusätzlich die Darmtätigkeit auf Trab halten.
  • Umstritten ist auch der Anteil der Rohfaser im Futter. Rohfaser (Ballaststoffe) senken die Verdaulichkeit. Ein gewisser Anteil ist unumstritten nötig. Wie hoch der sein soll und welcher Effekt damit erzielt wird, darüber herrscht Uneinigkeit.

Wie auch immer der Hund ernährt wird, was auch immer Sie tun: anfänglichen Misserfolgen sollten Sie nicht entmutigen. Die Ernährung eines Hundes mit EPI sollte individuell gestaltet werden. Das betrifft auch die Futtersorte und Futtermenge, die Art und Dosierung der Enzyme und die Anzahl der Mahlzeiten.

Vitamin B12 wird wahrscheinlich lebenslang bei Hunden mit EPI ergänzt werden müssen. Bei sehr vielen Hunden genügen Verdauungs-Enzyme und Vitamin B12, damit es ihnen gut geht und sie so fit sind wie ihre Artgenossen.

Die Verdauung kann wieder besser werden - oft kann nach einiger Zeit die Menge der Enzyme verringert werden, ohne dass der Hund schlechter verdaut.

Komplikationen der Pankreasinsuffizienz beim Hund

SIBO (small instestinal bacterial overgrowth), die Überwucherung von Abschnitten des Dünndarmes mit Bakterien

Bei der Bauchspeicheldrüsenschwäche kann die Nahrung nicht verdaut werden - und die steht dann Bakterien zur Verfügung.

Ein gesunder Hundemagen tötet viele Bakterien ab, die in der Nahrung vorhanden sein können - das ist sehr wichtig für ein Tier, das Futter im Garten vergraben möchte, weil es es gerade keinen Hunger mehr hat, und diese Vorräte nach einigen Tagen für brauchbar und "reif" hält. Auch der Pankreas spielt eine wichtige Rolle, um das Gleichgewicht zwischen Bakterien (Mikrobiota) und Hundedarm zu kontrollieren. Ein bleibender Durchfall kann so auch eine Folge einer Dysbakterie sein. Prä-und Probiotika können hier sehr gut helfen. Antibiotika werden ebenfalls empfohlen. Sie allerdings verursachen sehr oft eine solche, sehr lange anhaltende Dysbakterie erst. (Beim Menschen führt der Einsatz von Antibiotika nach Salmonelleninfektion zu einem deutlich erhöhten Risiko für ein Reizdarm-Syndrom.)

Allergie/ Unverträglichkeit / IBD

Auch eine IBD oder eine Futtermittelallergie / Futtermittelunverträglichkeit kann sich hinter einer Chronischen Pankreatitis "verstecken". Auch so kann im Endeffekt eine Pankreasinsuffizienz durch die chronischen Entzündungen entstehen. Wenn die Behandlung der Pankreasinsuffizienz nicht erfolgreich ist, sollte der Hund erneut auf solche chronische Darmentzündungen untersucht werden.

Verdauung ist individuell, und Verdauungsschwäche ebenso. Gerade bei einer Pankreasinsuffizienz gelingt die "Ernährung nach dem Lehrbuch" oft nicht. Es kann einiges Probieren nötig sein, um die für Ihren Hund beste Ernährung zu finden. Die Verdauung wird während der Behandlung oft wieder besser - meist kann nach einiger Zeit die Menge der Enzyme verringert werden.

Heilbar ist EPI nicht. Aber mit einer klassischen homöopathischen Behandlung kann die Lebensenergie gestärkt werden. Die Entzündungsbereitschaft kann auch mit Akupunktur verringert werden, so dass die Durchblutung im Verdauungstrakt reguliert werden kann. Gut therapierte Hunde mit EPI können mit guter Lebensqualität so alt werden wie ihre Artgenossen.